1918: Streiks, Revolten, Aufstände

 

Sonntag, 23. Juni 1918:

Wien: In Versammlungen werden die Arbeiter_innen aufgefordert, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen. Nur die Arbeiter_innen der Fiat-Werke sprechen sich mit Majorität gegen eine Arbeitsaufnahme aus.

Pilsen: Die Arbeit wird heute oder am Montag wieder aufgenommen.

 

Samstag, 22. Juni 1918:

Wien: Keine Änderung der Streiklage, der Arbeiterrat tagt vormittags im Eisenbahnerheim in Margareten (Vertagung auf 6 Uhr). Am Nachmittag informieren die Vertrauensleute die Arbeiter_innen in Versammlungen, dass die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Arbeiter_innen der Firma „Vulkan“ und aus Ternitz versuchen in Versammlungen Stimmung für einen Generalstreik zu machen. In der abendlichen Tagung des Arbeiterrates wird der Abbruch des Streiks beschlossen.

Pilsen: Arbeiter_innen der Škoda-Werke, der Munitionsfabrik, der Staatsbahnen (einige Zehntausend) streiken gegen den Militäreinsatz vom Vortag, Arbeiter_innen ziehen durch die Stadt, um kleinere Firmen zum Streiken aufzufordern.

 

Freitag, 21. Juni 1918:

Wien: Weitere (wenige) Firmen haben sich dem Streik angeschlossen, 18 Betriebe haben die Arbeit wieder aufgenommen, Gesamtzahl der Streikenden 46.186. Auf den Straßen herrscht weitgehend Ruhe.

Salzburg: Mehrere hundert Arbeiter_innen versammeln sich vor der Landesregierung, um gegen Brotkürzungen zu protestieren. Organisiert wird das von der Deutschnationalen Arbeiterpartei. Als der Sozialdemokrat Robert Preussler beruhigen will, wird er nieder geschrien. Gegen intervenierende Polizeibeamte geht die Menge mit Stöcken vor, die Wachebeamten wehren sich mit gezogenem Säbel.

Budapest (und andere ungarische Industriegebiete): Die Streiks dehnen sich über große Teile der ungarischen Reichshälfte aus, allerdings in unterschiedlicher Dichte. Die Streiks richten sich eher gegen die Gendarmerie als gegen das Militär: Die Forderungen eines Flugblattes: „Die Entfernung der Gendarmerie aus den Fabriken, weil in den Fabriken, in denen das Militär und nicht die Gendarmerie die militärische Aufsicht ausübt, es zu keinen ähnlichen Brutalitäten kommt.“

Pilsen: Gegen neuerliche Plünderungen wird das Militär eingesetzt. Das Schnellfeuer der Soldaten fordert fünf Tote („Knaben im Alter von 10 bis 13 Jahren“) und sieben Schwerverletzte. In einer Nebengasse wird das Militär mit Steinen angegriffen, schießt aber nur drei Mal, ohne jemanden zu verletzen.

Krieg / Politik

Die Piave-Schlacht ist für Österreich_Ungarn verloren. Die Truppen ziehen sich wieder über den Piave zurück.

Donnerstag, 20. Juni 1918:

Wien: Einige zusätzliche Firmen streiken, andere, nur wenige haben die Arbeit aufgenommen. Immer noch Angriffe auf Brottransporte, aber immer weniger.

St. Pölten: Bei der Firma Voith wird gegen Brotkürzungen gestreikt, die es im Gegensatz zu Wien hier nie gegeben habe.

Budapest: Nachdem in der Gießerei MÁVAG am 19. Juni 1918 neuerlich zu streiken versucht wird, muss sich ein Arbeiter beim Kommandanten melden. 400 Arbeiter_innen begleiten ihn und sammeln sich vor dem Kommandogebäude. Als die Gendarmerie versucht, die Menge zu zerstreuen, wird sie mit Wurfgeschossen bedacht. Sie eröffnet das Feuer. Vier Arbeiter_innen sterben, 19 sind schwer verletzt. Daraufhin legen alle Beschäftigten der MÁVAG die Arbeit nieder und marschieren vor das Parlament. In der benachbarten Waggonfabrik werden Büroräume demoliert. Im folgenden greift der Streik auf die Eisen- und Metallarbeiter_innen, die Straßenbahnarbeiter_innen die Rangier-, die Telefon- und die Druckereiarbeiter_innen von Budapest über.

Pilsen: Frauen überfallen einen mit Mehl beladenen Wagen und greifen Lebensmittelgeschäfte an. Die Polizei kann weitere Unruhen verhindern.

Mittwoch 19. Juni 1918:

Wien: Die Streiks dehnen sich noch einmal geringfügig aus, aber die Unruhen auf den Straßen sind geringer. Vereinzelt wird noch immer versucht, bewachte Brotwägen zu überfallen, die „Exzendenten“ werden aber zerstreut.

In vielen Bezirken finden am Vormittag in sämtlichen Arbeiterheimen und in Gasthäusern Versammlungen statt.

Gesamtzahl der Streikenden in Wien: 47.113

Bürgermeister Richard Weiskirchner übergibt eine Resolution des Gemeinderats, die gegen die überfallsmäßige Kürzung der Brotrationen protestiert.

Wiener Neustadt: 3000 Arbeiter_innen des Daimler Motorenwerkes gehen wegen einer verspätet eingetroffenen Brotlieferung in den Streik (und das Gerücht, dass das die letzte Brotlieferung sein werde) Es wird für eine zusätzliche Zuführung von Ersatzmitteln gesorgt.

Murau: Sechs Soldaten der Ersatzkompanie FJB 7 werden erschossen. Unterjäger Olip: „Ich sterbe ehrenvoll, keineswegs als Dieb oder Räuber, sondern als slowenischer Bursche, wie der Sohn einer slownischen Mutter sterben kann.“ (vgl. 14. Mai 1918)

Trifail (Trbovlje, heute Slowenien): Das Militär kann die Einstellung des Streiks erzwingen.

Dienstag, 18. Juni 1918:

Wien: Die Streikbewegung breitet sich weiter aus. Neuerlich ziehen Demonstrationen von Fabrik zu Fabrik, nicht immer gelingt es der Wache, die Züge zu zerstreuen. 600 Frauen ziehen die Dresdnerstraße entlang und veranlassen die Arbeiter_innen der dortigen Werkstätten, sich anzuschließen.

Auf vielen Märkten muss wegen Tumulten der Verkauf eingestellt werden. Frauen und Jugendliche versuchen immer wieder, Straßenbahnzüge lahmzulegen. Es kommt zu Sabotageakten in einzelnen Firmen (Keilriemen zerschneiden), um den Streik zu erzwingen. 1500 Personen versuchen Festgenommene, „sechs Jugendliche, davon die Hälfte weiblichen Geschlechts und einen Soldaten“ zu befreien, werden aber zerstreut.

„… hervorzuheben ist, dass sich die organisierte Arbeiterschaft bisher im Allgemeinen ruhig verhalten und die Absicht kundgegeben hat, die Entscheidung des Arbeiterrates abzuwarten.“

Gesamtzahl der Streikenden in Wien: 42.894

Kundmachung: Ab 8 Uhr abends sind die Haustore zuschließen, Gast- und Schankgewerbe zu sperren, Ansammlungen und Gruppenbildung auf der Straße ist verboten. „… jedermann (sic) aufgefordert, ohne erhebliche Ursache sein Haus nicht zu verlassen, insbesondere werden Hausväter und Familienvorsteher verpflichtet, ihre Haus- und Familiengenossen zu Hause zu halten.“

Um 6 Uhr trifft sich der Arbeiterrat im Eisenbahnerheim Margaretengürtel.

Trifail (Trbovlje, heute Slowenien): Die Bergarbeiter_innen der Braunkohlengrube streiken. Militärische Assistenz wird angefordert.

Montag, 17. Juni 1918:

Wien: Am Vortag war bekannt geworden, dass die Brotration gekürzt werden soll. Eine Reihe von Betrieben stellt die Arbeit ein. Demonstrationszüge zu den benachbarten Fabriken fordern die Arbeiter_innen zum Streik auf (z.B. ziehen 1000 Demonstrant_innen vom 16. in den 17. Bezirk). Immer wieder werden Scheiben eingeschlagen, auf den Märkten dringen Frauen in die Geschäfte ein und entwenden Fleisch oder Brot. Brotwagen werden jeweils von Hunderten umlagert, an der Ausfahrt gehindert und auch geplündert. Demonstrationen Richtung Innenstadt werden von der Polizei zerstreut.

Ab dem Nachmittag fahren Brotwagen nur noch unter schwerer Bewachung aus. Wachleute werden mit Steinen beworfen. Die Streikbewegung breitet sich aus. Die Wache versucht immer wieder, zu den Fabriken ziehende Gruppen zu zerstreuen.

Budapest: 117 Hilfsarbeiter_innen der Gießerei in der Maschinenfabrik MÁVAG stellen die Arbeit ein, um höhere Löhne zu fordern. Als militarisierte Landsturmarbeiter_innen werden sie zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert.

Piotrków (Generalgouvernement Lublin): Zwei Infanteristen (Kus, Slawinsky) werden wegen Meuterei hingerichtet. (vgl. 5. Juni 1918)

Sonntag, 16. Juni 1918:

Krakau: Das polnisch dominierte SchR 16 wird am Bahnhof unter Bewachung deutschsprachiger Soldaten (Hoch- und Deutschmeister, Wiener Hausregiment) einwaggoniert, um an die Front transportiert zu werden. Zivilist_innen drücken mit Unterstützung der Soldaten das Bahnhofstor ein, werden aber doch zurück gedrängt. Ein betrunkener Soldat wird durch einen Bajonettstich verletzt, die Wiener werden als „Bande, deutsche Schweine!“ beschimpft.

Bei der Ausfahrt wird die Assistenzkompanie mit (vorher gesammelten) Steinen beworfen, sie schießt scharf. Der Zug hält, birgt einen Toten und einen Schwerverletzten.

Vom SchR 16 soll es inzwischen besonders viele (auch bewaffnete) Deserteure geben, die die Umgebung in Galizien unsicher machen.

Samstag, 15. Juni 1918:

Knittelfeld: Wegen Kürzung der Fleischquote gehen die Arbeiter_innen der Staatsbahnwerkstätten, des Heizhauses und der Bahnhaltungssektion (insgesamt 1.600) in den Streik. Einige hundert Frauen dringen in den Bahnhof ein und blockieren die Abfahrt eines Personenzuges. Sie werden von der Militärassistenz geräumt.

Krieg / Politik

Die Österreichisch-ungarische Armee beginnt an der Piave eine Offensive gegen Italien und dessen Verbündeten (zweite Piave-Schlacht).

Freitag, 14. Juni 11918:

Pecs: 13 Soldaten des IR 6, und zwei Landsturm-Bergarbeiter werden hingerichtet, 22 Soldaten und 14 Landsturm-Bergarbeiter zu Kerker zwischen fünf und zehn Jahren verurteilt. 169 Soldaten sind noch abgängig. (vgl. 20. Mai 1918)

Donnerstag, 13. Juni 1918:

Krieg / Politik

Waffenstillstand zwischen der Volksrepublik Ukraine und Sowjetrussland.

Montag, 10. Juni 1918:

Pozsony (Bratislava): Zwei Infanteristen werden „wegen des Verbrechens der Empörung, der Verleitung und Hilfeleistung zur Verletzung eidlicher Militärdienstpflichten und des Verbrechens des Aufruhrs“ hingerichtet. (vgl. 5. Juni 1918)

Krieg /Politik

Die SMS Szent Istvan wird von einem italienischen Torpedoboot versenkt. Es war mit vier weiteren Großkampfschiffen („Dreadnoughts“) unterwegs, um die Sperre der Straße von Otranto zu durchbrechen.

Eine Offensive von Österreich-Ungarn am Tonale-Pass (Operation „Lawine“) scheitert schon am ersten Tag.

Sonntag, 9. Juni 1918:

Tatabánya: 2000 Bergarbeiter_innen gehen gegen ein Gerichtsverfahren gegen Vertrauensmänner in den Streik, Versammlungsverbote werden nicht eingehalten. Militär zwingt die Arbeiter_innen an ihre Arbeitsstellen, diese leisten dort aber passive Resistenz.

Krieg / Politik

Der vierte Teil der deutschen Frühjahrsoffensive beginnt.

Samstag, 8. Juni 1918:

Sajóecseg (bei Miskolc, Ungarn): Ein Meuterer wird hingerichtet, ein anderer zum Tode Verurteilter zu acht Jahren Kerkerstrafe begnadigt. (vgl. 29. Mai 1918)

Kragujevac (heute Serbien): 44 Meuterer werden vor der ganzen Mannschaft, aber auch in Anwesenheit der (serbischen) Bevölkerung, die Sympathie für die Angeklagten zeigt, erschossen. (vgl. 2. Juni 1918)

Augenzeugenbericht Kragujevac: Gegen 14 Uhr formierte sich im Hof des Kreiskommandos der Zug. Die Begleit- und Exekutionsmannschaft stellte das Assistenzbataillon der Bosnier. Durch die von der Bevölkerung dicht gesäumten Straßen der Stadt ging es hinaus zum Schießplatz - vorneweg, auf weißem Pferd, der Bataillonskommandant, ein weiterer Offizier zu Pferd, danach in breiter Front eine Assistenzeinheit, dann in elf Viererreihen die zum Tode Verurteilten. In ihrer Mitte ein Priester mit dem Kruzifix. Abschließend wieder Assistentruppen. Frauen am Straßenrand, weinend, händeringend, sie riefen die Verurteilten mit Vornamen an, sie boten letzten Gruß, ein Mädchen riß sich aus der Menge los, stürzte heran, um noch einmal den Ihren zu umarmen. Die Eskorte trennte. Der Großteil der Verurteilten schritt den letzten Weg ruhig und gefasst. Manche grüßten zurück in die Menge im Spalier, aber auch Schmerz und Angst zogen mit, und einer rief nach seiner Mutter.

Am Schießplatz draußen, vor der ersten Aufschüttung, hielt der Zug. Rechterhand stand die Kragujevacer Garnison angetreten, linkerhand drängte sich die Zivilbevölkerung. Vor der Aufschüttung wurden die Verurteilten aufgestellt, das Peleton auf 20 Schritt gegenüber. Nochmals Verlesung des Urteils, der Priester sprach das "Vater unser", den Verurteilten wurden die Augen verbunden, manche lehnten ab, einer schrie gellend in die Stille: "Schießt nur, ihr Mörder ..."

Das Peleton trat vor, der Kommandant senkte den Säbel, die Salven krachten. Furchtbare Szenen - eine Reihe von Exekutierten waren nur schwer verletzt, wand sich im Blut. Die Soldaten schoßen erneut auf die Sterbenden ...

Ärzte in weißen Mänteln tauchten auf, den Tod festzustellen. Der Exekutionskommandant ritt an den Garnisonskommandanten heran, meldete den Vollzug des Befehls. der Garnisonskommandant erhob sich aus seinen Bügeln, hielt eine kurze Ansprache, vom Verrat und von den Pflichten des Soldaten dem Kaiser und König gegenüber, und über den Toten brachte er auf ihn, den Monarchen, in dessen Namen hier gerichtet worden war, ein dreifaches Hoch aus ...

(Bericht über die militärischen Aufstände 1918, Militärgericht des Kreiskommandos Kragujevac, 29.6. 1918).

Hinrichtung der 44 „eidvergessenen Rädelsführer“: Feldwebel Viktor Kolibik, Zugsführer Johann Hugyecz, Korporal Johann Fabr, Korporal Josef Zsorial, Gefreiter Adam Danis, Gefreiter Paul Klenar, Gefreiter Alois Seliger, Gefreiter Georg Dvorszky, Infanterist Paul Salaga, Infanterist Andreas Balázs, Infanterist Andreas Szmrtnik, Infanterist Martin Riljak, Infanterist Andreas Jarjabka, Infanterist Stephan Racz, Infanterist Alfons Gal, Infanterist Stephan Radzo, Infanterist Franz Gyurkacs, Infanterist Denes Jeszenszky, Infanterist Joseph Csuvaj, Infanterist Karl Miklusicsak, Infanterist Alois Vojar, Infanterist Petar Platos, Infanterist Matthias Frnyak, Infanterist Josef Lasso, Infanterist Paul Kubicza, Infanterist Vinzenz Csimbora, Infanterist Joseph Hotyko, Infanterist Johann Krizsan, Infanterist Johann Gohr, Infanterist Valentin Miko, Infanterist Adam Bicsanik, Infanterist Johann Kasper, Infanterist Josef Hajdik. Infanterist Martin Kulisek, Infanterist Martin Czingel, Infanterist Stephan Szokolik, Infanterist Laurenz Rakovan, Infanterist Johann Pittner, Infanterist Stephan Bednarik, Infanterist Stephan Sznorak, Infanterist Johann Szlezak, Infanterist Andreas Brvenik, Infanterist Andreas Kisa, Infanterist Andreas Mikus.

Freitag, 7. Juni 1918:

Pardubitz (Pardubice, heute Tschechien): Ungefähr 2000 Menschen drängen auf das Bahnhofsgelände, um Waggons mit Speck zu plündern. Erst die Drohung mit Maschinengewehren durch die Assistenzmilitärs kann sie zurück drängen. Beim Versuch, den Zug außerhalb des Bahnhofs aufzuhalten, macht das Militär von der Schusswaffe Gebrauch, weil angeblich aus der Menschenmenge geschossen worden sei (drei Tote, davon ein 12-jähriger Schüler, zwei Verletzte). Klagen, dass die Soldaten Ungarn gewesen wären, die weder tschechisch noch deutsch verstanden hätten.

 Donnerstag, 6. Juni 1918:

 Böhmisch Trübau (Česká Třebová, heute Tschechien): Eisenbahnbedienstete und Fabrikarbeiter_innen plündern einen mit Speck beladenen Waggon. Die Gendarmerie setzt Schusswaffen ein.

 Stryj (Galizien, heute Ukraine): Wegen „rücksichtsloser militärischer Requisitionen“ gibt es seit Tagen kein Mehl und kein Brot. Nach friedliche Demonstrationen eskaliert die Situation und Frauen plündern ein Lebensmittelgeschäft. „Militär zerstreute schließlich die Exzedenten“.

Mittwoch, 5. Juni 1918:

Piotrków (Generalgouvernement Lublin): Bei einer Versammlung des IR 100 (mehrheitlich polnisch) versucht ein Offizier eine Versammlung von 200 Soldaten aufzulösen, wird aber angegriffen und kann gerade noch mit Unterstützung eines Korporals fliehen. Er lässt Assistenz aufmarschieren und die Truppe entwaffnen. Ein Untersuchungsverfahren beginnt.

Pozsony (Bratislava): Beim IR 72 , meist Slowaken, wird der Feldwebel Kuruc niedergeschlagen. Die Meuterer einer Baracke versuchen andere in die Meuterei einzubeziehen, werden aber mit aufgepflanztem Bajonett zur Ordnung gezwungen.

Montag, 3. Juni 1918:

Da bei Transporten von Marschformationen (Verlegung an die Front) am meisten Widersetzlichkeiten vorkommen, wird der Befehl erlassen, dass die Mannschaften erst im Zielbereich, der Feldarmee mit Munition ausgestattet werden.

Sonntag, 2. Juni 1918:

 Kragujevac (heute Serbien): Revolte des IR 71 (Infanterieregiment 71, slowakisch dominiert): Eine Gruppe Heimkehrer kommt betrunken zurück und will einem Feldwebel, der einen Soldaten bestrafen will, „die Decke geben“ (dabei wird eine Decke über das Opfer geworfen, damit er nachher nicht feststellen kann, wer geschlagen hat). Der kann flüchten, als ein Oberleutnant kommt, wird der durch einen Kolbenschlag niedergeschlagen, danach wird auf ihn geschossen. Anschließend werden die Kantine und das Munitionsdepot geplündert. Im naheliegenden Reservespital wird die Mannschaft dazu gebracht, bei der Revolte mit zu machen. Am Bahnhof werden die Telefonkabel herausgerissen. In der Stadt wird herum geschossen und es werden Läden ausgeraubt. Als die Meuterer das Arsenal mit Munition und Waffen angreifen, sind inzwischen Ersatzeinheiten mobilisiert und gehen mit Maschinengewehren gegen die Aufständischen vor. Die ziehen sich in die Kaserne zurück, die daraufhin mit Artillerie beschossen wird. Die Verteidiger können sich trotzdem bis am nächsten Morgen um sieben Uhr halten. Bilanz: Sieben tote Meuterer, unzählige Verletzte (hauptsächlich auf Seiten der Meuterer). Die Stadt wird nach Meuterern durchkämmt, bis auf 50 können alle erwischt werden.

 Freitag, 31. Mai 1918:

 Krieg / Politik

Pittsburgher Abkommen: Tschechische und slowakische Exilgruppen schließen ein Abkommen für einen zukünftig entstehende demokratische Tschechoslowakei mit der Gleichberechtigung der Slowak_innen.

 Donnerstag, 30. Mai 1918:

 Sajóecseg (bei Miskolc, Ungarn): Fünf Marschkompanien entwaffnen das HIR 305.

 Krieg / Politik

 Deutsche Truppen bilden einen Brückenkopf über die Marne.

 Mittwoch, 29. Mai 1918:

 Jičín (Nordböhmen, heute Tschechien): Ein ruthenisch dominiertes Bataillon weigert sich, zu einem Schießtraining auszurücken, bevor sie nicht Brot bekommen. Die erste Doppelreihe des ersten Zuges wird in Haft genommen, die übrige Mannschaft mit sieben Tagen Kasernenarrest bestraft.

 In Rumburg werden in Anwesenheit aller Soldaten der Kompanie vier Meuterer von den Salzburgern des IR 59 erschossen. In Haida einige Stunden später weitere sechs. Während die Salzburger das „Vater unser“ beteten, weigern sich die Tschechen aus Protest beim „Otče náš“ mitzubeten. (vgl. 20. Mai 1918)

 St. Pölten: Arbeitsaufnahme in der Torpedofabrik.

 Ternitz: 3000 Arbeiter_innen der Stahl- und Eisenwerke treten in den Streik, weil ein Vertrauensmann zum Militär einberufen erden soll. Am Nachmittag wird die Arbeit wieder aufgenommen, weil über die Einberufung doch verhandelt wird.

 Wiener Neustadt: Die Angestellten des Heizhauses streiken gegen die Einberufung von 12 Arbeitern, darunter eines Vertrauensmannes. Verhandlungen können auch diesen Ausstand beilegen.

 Kielce (Generalgouvernement Lublin): 13 Gehorsamsverweigerer werden aus dem Arrest befreit. Eine andere Einheit wird heran geführt und die 13 wieder in Arrest gesetzt, gegen drei weitere wird ein standrechtliches Verfahren eingeleitet.

 Sajóecseg (bei Miskolc, Ungarn): Ungefähr 150 Soldaten des HIR 305 (Honvéd-Infanterie-Regiment zur Hälfte Magyaren, sonst gemischt), eine revoltierende Feldeinheit, demonstrieren für den Frieden, schießen in die Luft und befreien die Arrestanten. Danach kehrt Ruhe ein.

 Radkehrsburg: Sechs Meuterer werden hingerichtet. (vgl. 23. Mai 1918)

Dienstag, 28. Mai 1918:

 Wien: Die Militarisierung erzwingt die Arbeitsaufnahme in der Nordbahnwerkstätte. Ende aller anderen Streiks in der Stadt. Nur in der Ostbahnwerkstätte soll der Ausstand noch bis Freitag andauern.

 Krakau: Soldaten eines polnisch dominierten Bataillons plündern auf dem Bahnhof einen Waggon mit Wein. Sie schießen danach auf einen Schnellzug, ohne jemanden zu verletzen. Auf dem Weg in Bochnia versuchen sie einen Zug „mit sehr hochwertigen Gütern“ zu plündern. Dessen Eskorte greift zur Waffe und erschießt zwei Plünderer und verletzt sechs weitere.

 Lublin : 28 Meuterer werden zum Tod verurteilt, allerdings wird das Urteil im Gnadenwege in Kerkerstrafen umgewandelt. (vgl. 20. Mai 1918)

Losonz (Lučenec, Oberungarn, heute Slowakei): Befehlsverweigerung des FJB 29 (Magyaren und Slowaken) wegen der schlechten Verpflegung führt zur Mobilisierung eines Ersatzbataillons. Sieben Soldaten werden vor Gericht gestellt.

Montag, 27. Mai 1918:

 Wien: In den den Ostbahnwerkstätten dauert der Streik an. In den Nordbahnwerkstätten erscheinen die Arbeiter-innen vollzählig, verweigern aber die Arbeitsaufnahme. In der Gasmaskenfabrik Semperit wird weiter gestreikt, bei Vulkan und Fiat die Arbeit wieder aufgenommen.

 St. Pölten: Verhandlungen zur Arbeitsaufnahme in der Torpedofabrik. Neuerliche Verweigerung, weil die Löhne für die Zeit des Streiks nicht gezahlt werden.

 Kraśnik (Generalgouvernement Lublin): Die Jäger des FJB 18 betrinken sich, überfallen die Arrestwache und lassen die Arrestanten der eigenen Kompanie frei.

 Rimaszombat (Rimavská Sobota, Oberungarn, heute Slowakei): Das Standgericht stellt fest, dass nicht festgestellt werden kann, wer gemeutert hat, die Angeklagten Dubyna und Blacher werden der Militärgerichtsbarkeit überstellt. (vgl. 12. Mai und 13. Mai 1918)

 Krieg / Politik

 Der dritte Teil der deutschen Frühjahrsoffensive beginnt. In den nächsten Tagen stoßen die Deutschen auf Paris vor.

 Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen besetzen das Donez-Becken.

 Sonntag, 26. Mai 1918:

 Krieg / Politik

In der Nacht hat die Tschechische Legion ihren Aufstand gegen die Bolschewiki begonnen. Nach einem Zwischenfall am 14. Mai Tscheljabinsk (ein Streit mit ungarischen Kriegsgefangenen), forderte Trotzki ihre Entwaffnung. In den nächsten Wochen können sie praktisch ganz Sibirien erobern, was neben den Eroberungen der Mittelmächte einen bedeutenden Aufschwung für die Gegner_innen der Bolschewiki bedeutet.

Samstag, 25. Mai 1918:

Wien: Die Streiks in den Bahnwerkstätten gehen weiter, Ausdehnung auf die Gummiwarenfabrik (Gasmasken) „Semperit“. Bei Tendloff wird die Arbeit aufgenommen.

Die Nordbahnwerkstätten-Arbeiter_innen müssen sich aufstellen und werden auf die Kriegsartikel vereidigt, auch in den Ostbahnwerkstätten wird die Militarisierung angekündigt.

 Freitag, 24. Mai 1918:

 Wien: Die Streiks dehnen sich aus: auf 400 (von 1000) bei der Zünderabteilung der Munitionsfabrik „Vulkan“, auf 200 Dreher_innen von den Fiatwerken (die aber nach wenigen Stunden die Arbeit wieder aufnehmen) sowie 100 (von 300) Dreher_innen und Schlosser_innen bei der Maschinenfabrik Tendloff.

 St. Pölten: „Befehl zur Wiederaufnahme der Arbeit“ in der Torpedofabrik. Bewachung des Bahnhofs, um zu verhindern, dass italienische Arbeiter_innen abreisen.

 Steyr: Die zwangsweise Aushebung von Arbeiter_innen wird auch in den Gasthäusern der Umgebung durchgeführt. Schon zuvor wird diesen die Zufuhr von Lebensmitteln gesperrt. Die Einbringung von 170 Personen kann den Streik beenden.

 Mährisch Schönberg (Šumperk, heute Tschechien): Truppen werden zugeführt, die unzuverlässigen Mannschaften entwaffnet, die Munition wird gesichert deponiert und bewacht. (Vermeintliche) Rädelsführer werden festgenommen.

 Radkersburg: Mit Hilfe von Maschinengewehren dringen die verlässlich gebliebenen Truppen mit zusätzlicher Assistenz in die Kaserne ein. 300 Meuterer werden festgenommen, 1300 können fliehen. Bilanz: Vier Tote, sechs Schwerverwundete und zahlreiche Leichtverletzte. Auch wenn nach Streifungen nach einigen Tagen nur noch 177 Mann fehlten, sollen Deserteure des IR 97 noch in den nächsten Monaten Überfälle in der Region verübt haben.

 Donnerstag, 23. Mai 1918:

 Wien, St. Pölten: Die Streiks in den Nordbahnwerkstätten und in der Torpedofabrik dauern an. Die Ostbahnwerkstätte in Simmering schließt sich an, in der Metallwarenfabrik Köhler ist auch noch immer im Ausstand.

 Pilsen: Bei der Fahndung nach verloren gegangenen Frachtgütern wird das Handgepäck von Arbeiter_innen der Bahnwerkstätten durchsucht. Darauf protestierten an die 2500 Werkstättenarbeiter_innen und verletzen dabei vier Soldaten durch Steinwürfe. Auf deren Pistolenschüsse antworten die Arbeiter_innen mit einer Arbeitsunterbrechung. Durch Verhaftungen und weiteren Militäreinsatz wird die Arbeitsaufnahme wieder erzwungen.

 Mährisch Schönberg (Šumperk, heute Tschechien): In einem ruthenisch dominierten Bataillon wird der Infanterist Gärtler gefangen genommen, weil er sich wegen Schikanen beschwert. Daraufhin wird ein verhasster Korporal verprügelt und flüchtet ins Arrestlokal, wo er von den rebellierenden Soldaten belagert wird. Gärtler wird daraufhin freigelassen und auf den Schultern der Kameraden ins Quartier zurück getragen. Als es am Abend nach einer Widersetzlichkeit neuerlich zu einer Verhaftung gekommen ist, wird auch der von nur mit Nachthemden bekleideten Infanteristen befreit. Es war vergessen worden, die Arrestwache zu bewaffnen. Alle Gefangenen werden befreit.

 Eine Ersatzkompanie wird mobilisiert, um sie gegen die Rebellen einzusetzen. Aber diese weigert sich. So wird sie nicht mit scharfer Munition ausgerüstet. Das ganze Ersatzbataillon gilt als unzuverlässig. Inzwischen hat sich die Situation von selbst beruhigt.

 Radkersburg: Heimkehrer des IR 97 (Slowenisch und Italienisch) beginnen sich nach der Festnahme wegen eines angeblichen Aufrufs zur Meuterei zu sammeln, schreien herum und schießen in die Luft. Immer mehr Soldaten schließen sich an. Die Kanzleien und Magazine der Kaserne werden geplündert. Danach ziehen die Aufrührer in die Stadt, um aus dem Munitionsdepot Maschinengewehre zu erbeuten. Nach mehrmaligen Angriffen werden sie von der dortigen Mannschaft abgewiesen. Sie ziehen sich in die Kaserne zurück und verbarrikadieren sich. Die Schießereien werden weniger, weil ihnen die Munition ausgeht, teilweise schmeißen die Meuterer Steine gegen die angreifenden Soldaten.

 Mittwoch, 22. Mai 1918:

 Wien: 2300 Bedienstete der Nordbahnwerkstätte stellen die Arbeit ein. Sie fordern eine Arbeitszeitverkürzung, mehr Verpflegung und das Ende der Militarisierung. In der Floridsdorfer Lokomotivfabrik wird die Arbeit eingestellt, weil 11 Arbeiter einberufen wurden.

 In den Garvenswerken wird die Arbeit wieder aufgenommen.

Steyr: Die zwangsweise Einbringung der Arbeiter_innen in die Waffenfabrik beginnt, zeigt jedoch noch „kein befriedigendes Resultat“.

Brüx, Dux, Teplitz (Teplice, Duchcov, Most): Im Braunkohlenrevier streiken 8.000 Grubenarbeiter_innen fürmehr Lohn und Verpflegungszuschüsse, aber auch für die Beschaffung von Kleidern und Schuhen. Arbeiter_innen in Falkenau (Sokolov) schließen sich an. Ein vor dem Militär fliehender Arbeiter wird angeschossen. Das zusätzlich eintreffende Militär wird, weil tschechisch, als unzuverlässig betrachtet. Deutschsprachige Truppen werden angefordert.

 Dienstag, 21. Mai 1918:

 Wien: Streiks wegen „Lohndifferenzen“ bei den „Garvens-Werken“ (300) und der Metallwarenfabrik „Köhler“ (50).

 St. Pölten: Die Arbeiter_innen der Torpedofabrik (800) stellen die Arbeit ein, weil ihnen eine Kriegszulage nicht ausgezahlt wurde.

 Donawitz: Es herrscht Unruhe unter den Arbeiter_innen, weil es auf Grund der „Exzesse“ am 13. Mai zu zahlreichen Verhaftungen gekommen ist (insbesondere nachdem einige Festgenommene nach Graz überstellt worden waren).

 Steyr: Nur 15% haben in der Waffenfabrik die Arbeit aufgenommen. An Zugängen zu den Fabrikobjekten wie auch auf Straßen und Stationen sind Streikposten aufgestellt.

Trencsén(Trenčín), Oberungarn, heute Slowakei): Weil es nur Rüben statt Fleisch gibt, wird ein Leutnant des HIR 15 (hauptsächlich Slowaken) mit einem Gewehrkolben bewusstlos geschlagen.

 Rumburg (Rumburk, heute Tschechien, damals fast nur deutschsprachig): Der Aufruhr des SchR 7 (Schützenregiment 7, hauptsächlich tschechisch) beginnt mit Widersetzlichkeiten auf dem Appellplatz. Als ein Hauptmann durch einen Kolbenhieb niedergestreckt wird, bricht die Revolte los. Die Soldaten aus den Kasernen sammeln sich und plündern als erstes die Tabak- und Verpflegungsvorräte. Das nächste Ziel sind Gasthäuser, in denen ebenfalls Infanteristen einquartiert sind, die sich sofort anschließen. Eine Maschinengewehreinheit wir überwältigt, danach wird das Munitionsmagazin geplündert. Ein Teil der Meuterer zieht zum Bahnhof und zerstört Telefon und Telegraphen. Andere fordern die Rekruten in Niederehrenberg (Dolní Křečany) auf, als Munitionsträger mitzumarschieren.

 Nächstes Ziel wäre Böhmisch Leipa (Česká Lípa), um die dortigen Heimkehrer vom IR 18 (Infanterieregiment 18), dieam 12. Mai rebelliert haben, zur Teilnahme zu bewegen. Außerdem wird im südlich gelegenen tschechisch-sprachigem Gebiet mit mehr Unterstützung gerechnet. Die Meuterer ziehen die Bahnlinie entlang, in Schönlinde (Krásná Lípa) bemächtigen sie sich eines Zuges, andere erobern einen Lastwagens auf den sie Maschinengewehre und Munition laden. In Blottendorf (Polevsko) kommt es zu einem Feuergefecht mit einer Patrouille, die schließlich gefangen genommen wird. In Haida (Nový Bor) wird den Meuterern eine Falle gestellt. Vermeintlich widerstandslos können sie in das Städtchen einziehen, wo sie aber umstellt sind. Nach einer Schießerei ergeben sich die Aufrührer, 300 werden gefangen genommen, ein kleiner Teil kann in die Umgebung verschwinden. In Rumburg zieht schließlich das hauptsächlich aus Salzburgern bestehende IR 59 ein.

 Montag, 20. Mai 1918:

 Lublin (Generalgouvernement): In der Untersuchung einer Insubordination kommt Militärgeneralgouverneur General von Liposcak zum Ersatzbataillon IR 58. Ein Gefreiter, der sich beschwert, wird festgenommen. Daraufhin schießen Heimkehrer auf die Wacheskorte und befreien den Festgenommenen. Zwei Sturmkompanien werden heran geführt, die Aufsässigen unter Androhung der Verwendung von Handgranaten entwaffnet, 101 Rebellierende verhaftet.

Pecs: Im IR 6 (Infanterieregiment 6, Deutsche, Magyaren und Serben) zeigen sich die Heimkehrer im Barackenlager und die Friedrichkaserne aufmüpfig: keine Vergatterung und „Es lebe der Frieden“. Im Barackenlager werden im Anschluss die Kanzleien geplündert und dabei einige Gewehre und Munition erbeutet.

Um neun Uhr stürmen die Meuterer die Friedrichkaserne.. Offizieren gelingt es, einige Mann zum Aufstellen eines Maschinengewehrs zu bringen. Es wird geschossen. Aber auch dieses letzte Widerstandsnest wird gestürmt. Die meisten Offiziere können fliehen, zwei werden misshandelt, ein als besonders scharf bekannter Leutnant wird erschossen. Die nächsten Ziele sind der Bahnhof und die Fehérváry-Kaserne, in der sich hauptsächlich Verwundete aufhalten, die sich der Meuterei aber nicht anschließen.

Die Meuterer geben an die Bergarbeiter_innen in der streikenden Fabrik in Pécsbányatelep Waffen aus. Diese stürmen am Nachmittag die Kanzlei des Oberleutnants. Der und ein Hauptmann werden erschlagen, die Leichen verstümmelt, die Kanzlei geplündert.

Die Bevölkerung zeigt angeblich nur „schwache Sympathiekundgebungen in den Vorstädten“, nur „Frauen und Kindern helfen als Munitionsträger“.

Bis zu Mittag sind zusätzliche Assistenzen angekommen. Sie übernehmen die jeweils nur schwach bewachte Friedrichs- und die Fehérváry-Kaserne. Die Meuterer ziehen sich auf den Friedhof zurück. Ein zäher Kampf zwischen ihnen und Hónveds, dem ungarischen Landsturm entbrennt: 1200 regierungstreue kämpfen gegen 1500 meuternde Soldaten. Schließlich treffen noch mehr Truppen ein. Ein Teil der Meuterer ergibt sich (vor allem Donauschwaben und Magyaren), die anderen, viele Serben, leisten weiter Widerstand. Sie werden schließlich von allen Seiten angegriffen und versuchen zu flüchten. Die Straßen der Umgebung werden gesperrt, ebenso Donau- und Draubrücken, weil zu vermuten ist, dass sich die Meuterer ins Gebiet der „Grünen Kader“ nach Slawonien durchschlagen wollen. Von ca 2000 werden vorerst 1500 Meuterer erwischt. Bilanz: 24 Tote und zahlreiche Verletzte auf beiden Seiten.

 Sonntag, 19. Mai 1918:

 Pecs: Die militarisierten Arbeiter_innen (Landsturm) eines Bergwerkes inPécsbányatelep treten in den Streik. Sie sind mit einem Kompromiss nicht zufrieden, der ihnen den 8-Stunden-Tag gewährt, dazu aber „Überschichten” verlangt. 30 Arbeiter_innen werden verhaftet.

 Samstag, 18. Mai 1918:

 Die Arbeiter_innen der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik werden die Arbeit am nächsten Dienstag (nach den Pfingstfeiertagen) wieder aufnehmen.

 Freitag, 17. Mai 1918:

 Wiener Becken: Kompromisse über die Erhöhung von Überstundenentlohnung bei Nachtarbeit und Feiertagsarbeit werden geschlossen. „Die Arbeiterführer erklärten ihre Bereitwilligkeit auf die Arbeiter wegen Wiederaufnahme der Arbeit einzuwirken.“

 Während (fast) überall die Arbeit aufgenommen wird, beginnen die Arbeiter_innen der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik (2250) zu streiken.

 Steyr: Jetzt streikt zusätzlich die neue Waffenfabrik, auch ein Teil der Arbeiter_innen in Letten stellt die Arbeit ein. Der Direktor stellt ein Ultimatum, dass die Arbeit am Dienstag nach den Pfingstfeiertagen (21. Mai) wieder aufgenommen werden müsse, sonst werde militär-strafgerichtlich vorgegangen. Die Vertrauensmänner können das nicht zusagen.

Die kommandierten Militärpersonen (das betrifft teilweise auch Frauen) des Soldatenstandes werden noch an ihren abgelegten militärischen Diensteid mit dem ausdrücklichen Bedeuten erinnert, dass die Nichtbefolgung dieses Dienstbefehles ihre militärgerichtliche Verantwortlichkeit wegen des Verbrechens der Gehorsamsverweigerung, beziehungsweise Meuterei begründen würde.“ Militärrecht bedeutet, dass „Meuterei“ bis hin zu einem Todesurteil führen kann. Weigern sich die Arbeiter_innen, die Eidesformel zu sprechen, so wird sie in der jeweiligen Landessprache vorgelesen und gilt somit als vollzogen.

 Reichenberg(Liberec, Nordböhmen, heute Tschechien): Eine Einheit eines ungarisch dominierten Ersatzbataillons IR 44 ist schon seit Tagen unruhig: Hochrufe auf die bolschewistische Revolution, und handgeschriebene Flugzettel, die eine Abrechnung mir den Herren fordern. Einen Tumult auf dem Exerzierplatz nutzen mehrere hundert Soldaten zur Desertion.

 Donnerstag, 16. Mai 1918:

Judenburg: Das Militär durchsucht Privatwohnungen nach geplündertem Gütern.

Die Bilanz der Meuterei: 1.181 Mann hätten sich beteiligt, davon fehlen noch 388, es gibt sieben Tote und über 30 Verletzte. Nach einem Standgerichtsverfahren werden sieben Todesurteile ausgesprochen. Vier Aufrührer werden noch am gleichen Tag in Anwesenheit der ganzen Kompanie und unter Beteiligung der Bevölkerung erschossen.

Wiener Becken: Heute läuft eine Frist ab, bevor die Arbeiter_innen an ihre Arbeitsplätze gezwungen werden („militärische Einbringung“). Währenddessen schließt sich die Leobersdorfer Maschinenfabrik (550 Arbeiter_innen) dem Streik an. Weil noch Verhandlungen laufen, wird die Frist für einen Militäreinsatz doch um einen Tag verlängert.

 Steyr: Die Streiks greifen auf die gesamte alte Waffenfabrik über.

 Mittwoch, 15. Mai 1918:

Wiener Becken: Inzwischen streiken schon 18.900 Arbeiter_innen.

Steyr: Im Objekt VI der Waffenfabrik bricht ein Streik wegen „Lohndifferenzen“ aus.

Dienstag, 14. Mai 1918:

Judenburg: Inzwischen sind weitere 500 Meuterer gefasst worden. Vereinzelt wird in Wasendorf noch gestreikt.

Fohnsdorf: Im Laufe des Tages kehren die Kohlearbeiter_innen in die Gruben zurück.

Murau: Das slowenisch dominierte FJB 7 (Feldjägerbataillon 7) meutert, weil es zu wenig zu essen gibt. 200 Mann ziehen zum Munitionsdepot, verteilen scharfe Munition und stecken es in Brand. Danach marschieren sie zum Lebensmittelmagazin von Murau. Der Bezrikshauptmann kann eine ungeordnete Plünderung vermeiden, indem er das Magazin öffnet und Nahrungsmittel verteilt. Die meisten marschieren zurück in ihre Baracken, ein Teil versucht sich auf den Weg nach Slowenien zu machen, wird aber am Bahnhof aufgegriffen. Einige andere betrinken sich in einem nahegelegenen Wirtshaus.

Das magyarisch und rumänisch dominierte IR 37 umstellt die Baracke, die Soldaten schießen auf die inzwischen unbewaffneten Meuterer. Sie sind verärgert, weil sie nach dem Einsatz in Judenburg die zweite Nacht nicht zum schlafen kommen.

Wiener Becken: Im Streik: In der Schraubenfabrik Brevillier in Neunkirchen 3500, bei Schöller in Ternitz 3500, in den Enzesdorfer Munitionswerken 7500, in der Patronenfabrik Hirtenberg 2500, in der Zünderfabrik Hirtenberg 1500 (Gesamtsumme 18.765).

Montag, 13. Mai 1918:

Judenburg: Die Dannerwerke streiken. Eine Abordnung leugnet, dass Arbeiter_innen des Werkes bei den Plünderungen in der Nacht dabei waren. Auch in Zeltweg und Wasendorf stehen Firmen im Streik.

Ab Mittag besetzen vier Marschkompanien die Stadt. Relativ schnell können zweihundert Meuterer in Unzmarkt festgenommen werden. Sämtliche aus dem Industriegebiet der Mur-Mürzfurche führende Zug- und Straßenverbindungen werden gesperrt, um flüchtige Meuterer zu ergreifen. Immerhin sind noch 1200 Mann abgängig.

Fohnsdorf: Inzwischen streikt das ganze Kohlenbergwerk. In der Nacht waren Schießereien aus Judenburg zu hören. Arbeiter_innen aus Judenburg kommen mit Lebensmitteln und Bedarfsartikel, es „verbreitete sich im Orte die Nachricht, in Judenburg erhält jede Person die genannten Artikel ohne Bezahlung“.

Die Stimmung unter der Arbeiterschaft – speziell müssen als hetzende Elemente die Weiber bezeichnet werden – ist sehr gereizt und wird allgemein herumgesprochen, dass bei Abzug des Militärs alle Drähte abgeschnitten werden und die Arbeiter mit Dreschflegeln und Sensen über die besitzende Klasse herfallen und plündern werden.“ (Bericht an das Militärkommando Graz)

Leoben: 500 Arbeiter_innen ziehen von Donawitz zur Bezirkshauptmannschaft Leoben. Dort vermehrt sich die Menge auf 2000. Als das Militär die Demonstrant_innen in die Nebengassen abdrängen will, werden Fensterscheiben eingeschlagen und Auslagen geplündert. Viele rufen: „Hoch Judenburg“, „Hoch 17er.“ Die Forderungen: Sofortiger Frieden, mehr Brot und kürzere Arbeitszeiten. Flugblätter mit „Hoch die Revolution!“ sollen aufgetaucht sein.

Wiener Becken: In der Schraubenfabrik Brevillier in Neunkirchen (3500) wird gestreikt, weil die Beschwerdekommission bisher keine Ergebnisse vorweisen kann (Arbeitszeitverkürzung, Bezahlung von Sonn- und Feiertagsarbeit), Streiks auch in der Patronenfabrik (2500) und der Zünderfabrik (1500) in Hirtenberg, den Schöllerwerken in Ternitz (3000) sowie den Enzesdorfer Munitionswerken (8300).

Schlan-Kladno (Slaný-Kladno, heute Tschechien): Die Arbeiter_innen im Kohlenrevier werden schon in den letzten Tagen zwangsweise zur Arbeit gezwungen. Drei Bataillone sollen auf Dauer stationiert bleiben.

Strakonitz(Strakonice, heute Tschechien): Eine mehrtausendköpfige Menge („hauptsächlich Weiber“) greift die Bezirkshauptmannschaft an, der Amtsvorstand wird geschlagen,der Bezirkshauptmann kann sich gerade noch retten. Am Nachmittag rückt eine Assistenzkompanie ein.

Mährisch-Ostrau (Ostrava): Einige hundert Arbeiterfrauen demonstrieren vor dem Amtshaus. Als die Menge auf einige Tausend angestiegen war, wird der Platz von Polizei und Militär geräumt.

Rimaszombat (Rimavská Sobota, Oberungarn, heute Slowakei): Immer mehr Meuterer können in Gewahrsam genommen werden, es fehlen nur noch 120. Über die Stadt wird das Standrecht verhängt.

Schon seit Anfang Mai dauern vereinzelte Streiks und Widerständigkeiten bei den galizischen Eisenbahnen an. Die militärische Vereidigung („Militarisierung“) wird durch hinhaltenden Widerstand verzögert und kann erst jetzt als abgeschlossen gelten. Streiks werden dadurch unmöglich gemacht. Dafür beginnen (seit Anfang Mai) bewaffnete Deserteursgruppen die galizischen Eisenbahnen unsicher zu machen. Sie halten wiederholt Züge an und plündern sie aus. Bevölkerung und Eisenbahner_innen unterstützen sie dabei (vor allem durch Informationen).

Sonntag, 12. Mai 1918:

Böhmisch Leipa (Česká Lípa, Nordböhmen, heute Tschechien): Heimkehrer des Ersatzbataillon IR 18 (Infanterieregiment, überwiegend tschechisch) weigern sich, Befehle zu befolgen und attackieren einen Oberleutnant. Nachdem die Ruhe wieder hergestellt ist, werden die renitenten Soldaten festgenommen (Acht Heimkehrer werden Anfang Juni zwischen drei Monaten und drei Jahren zu schwerem Kerker verurteilt).

Rimaszombat (Rimavská Sobota, Oberungarn, heute Slowakei): Die Mannschaft des IR 80 (hauptsächlich ruthenische Heimkehrer) verhält sichwegen Kürzungen der Brotration und der Tabakzuteilung undiszipliniert und aufsässig. Um 21 Uhr wird das gegenüber dem Lager liegende Haus eines Fabrikanten mit Steinen beworfen. Die Heimkehrer werden in die Baracken zurück getrieben. Aus einer Baracke wird geschossen. Eine Gruppe von Heimkehrern stürmt bewaffnet die benachbarten Baracken, sie schießt auf die Fenster, treibt die Belegschaften hinaus und zündet die Baracken an. Baracke 2 kann gelöscht werden, Baracke 3 geht in Flammen auf. Eine Ersatzkompanie sichert das Munitionslager, es entstehtein Feuergefecht zwischen den Meuterern und der Ersatzkompanie. Die Aufständischen ziehen in die Stadt, plündern Alkohol in einem Gasthof und Brot aus einer Bäckerei. Auch zwei Juwelierlokale werden überfallen. Als eine weiter Assistenztruppe eintrifft, können 60 vollkommen betrunkene Meuterer festgenommen werden.

Fohnsdorf: In einem Schacht des Kohlenwerkes legen Arbeiter_innen die Arbeit nieder, „weil sie für Sonntag kein Brot haben“. Forderungen: Einstellung der Sonntagsarbeit, 8-Stunden-Tag, Ernährungszubußen.

Judenburg: Im Barackenlager des IR 17 (hauptsächlich Slowenen) bringenum 22 Uhr Heimkehrer andere Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten dazu, bei einer Rebellion mit zu machen.Die Alkoholisierung durch die vorhergehende Kaiser-Karl-Woche lockert die Stimmung. Zuerst werden die Küche und die Kantine geplündert, danach ziehen dieAufständischen in die Stadt. Sie greifen das Gebäude der Maschinengewehr-Ersatzkompanie an. Es wird zurück geschossen. Es gibt Tote und Verletzte auf beiden Seiten.

Ein Offizier will mit unausgebildeten Rekruten die Verteidigung der am anderen Ende der Stadt liegenden Jesuitenkaserne organisieren. Als sie aber in der Stadt auf die Meuterer treffen, laufen die erst seit kurzem Eingezogenen zu diesen über.

Auch die in der Kaserne gebliebenen Rekruten werden gezwungen, sich ihnen anzuschließen, die Offiziere fliehen, indem sie sich durch ein Fenster abseilen. Die Rekruten beteiligen sich allerdings nicht an den weiteren Ausschreitungen, sondern verstecken sich in den umliegenden Wäldern.

Die Meuterer verlieren Zeit, weil sie in der Stadt plündern und erst danach den Bahnhof besetzen, um die Kommunikation nach außen zu verhindern. Neben dem Bahnhof sind die Dannerwerke. Um 2 Uhr früh (bereits der 13. Mai) sollen sich 500 bis 600 Zivilist_innen, Arbeiter_innen, viele Frauen und Kinder an den Plünderungen beteiligt haben.

Der Pfarrhof ist das nächste Ziel. Neuerlich beteiligen sich Zivilist_innen an den Plünderungen. Ein Teil der Meuterer zieht nach Unzmarkt weiter, um Beute zu machen, ein größerer Teil verzieht sich in die Wälder.

Krieg / Politik

Kaiser Karl und der deutsche Kaiser Wilhelm unterzeichnen eine Erklärung, die ihre weitere unbedingte Zusammenarbeit betont. Damit wird ein separater Friedensschluss mit Österreich-Ungarn praktisch unmöglich. Immer mehrorientiert sich die Entente auf die Zerschlagung der Monarchie und unterstützt die Exilgruppen der unterdrückten Völker. Tschechoslowakische Truppen kämpfen bereits gegen die Mittelmächte.

 Samstag, 11. Mai 1918:

 Neupaka(Nová Paka, heute Tschechien): Einige tausend Demonstrant_innen zerschlagen Fensterscheiben, brechen in einen Selcherladen ein, attackieren die Wohnungen des Bezirkshauptmannes und des Bürgermeisters, versuchen Brände zu legen und wehren sich mit Steinen gegen die Gendarmerie, die im Anschluss daran von der Schusswaffe Gebrauch macht.

Pola: Zwei Matrosen des Torpedoboot 80 werden hingerichtet, weil sie eine Meuterei geplant hätten.

 Donnerstag, 9. Mai 1918:

Sambor (Galizien, heute Ukraine, Sambir): Der Angeklagte Anton Wdowiak wird als Meuterer erschossen. Roman Werminski bleibt unauffindbar (vgl. 2. Mai 1918)

Mittwoch, 8. Mai 1918:

Schlan-Kladno (Slaný-Kladno, heute Tschechien): Das Standrecht wird verhängt. In den letzten Tagen sind über 600 Personen verhaftet worden.

Jaworzno (Galizien, heute Polen): Schon seit Tagen gibt es kein Brot und keine Kartoffelzuschübe. Außerhalb des Jacek-Rudolf-Schachtes werden Soldaten von „Arbeitern und Frauen“ mit Steinen beworfen und eröffnen das Feuer. Die Menge zerstreut sich, es gibt keine Verletzten.

Krieg / Politik

Deutsche Truppen erobern gemeinsam mit der „Freiwilligenarmee“ (den „Weißen“) Rostow am Don.

 Dienstag, 7. Mai 1918:

 Klagenfurt: Ungefähr 2000 Personen demonstrieren vor dem Landesregierungsgebäude, um gegen die Lebensmittelnot zu protestieren. Sozialdemokratische Vertrauensleute verhandeln mit der Regierung. Schon in den Vortagen haben „Arbeiterfrauen“ wegen der unzulänglichen Verpflegung protestiert.

 Krieg / Politik

 Durch den Friedensschluss scheidet Rumänien aus dem Krieg aus, die Besetzung durch die deutsche Armee wird beendet, die Dobrudscha kommt zu Bulgarien, Rumänien verliert einige Gebirgsregionen an Österreich-Ungarn. Die Mittelmächte gewinnen Nutzungsrechte auf das rumänische Erdöl.

 Montag, 6. Mai 1918:

 Ternitz: (Wiener Becken) Die Arbeiter_innen der Geschossfabrikin Blindendorf und der Stahl- und Eisenwerke Schoeller fordern eine Lohnerhöhung. Ein Teil der Arbeiter_innen streikt, 1000 protestieren vor der Direktion.

 Schwaz (Tirol): Arbeiter_innen der Tabakfabrik dringen in die Fabrikkanzleien ein, zerschlagen Fenster, bedrohen einen Beamten und „misshandeln den Direktor“. Der Aufruhr wendet sich gegen Kontrollmaßnahmen, die wegen angeblicher Diebstähle durchgeführt werden.

 Schlan-Kladno (Slaný-Kladno, heute Tschechien): Verstärkung der Gendarmerie gegen die Streiks und Plünderungen, Assistenztruppen werden angefordert.

 Žichlitz (Žichlíce, heute Tschechien): Ein Steuerassistent wird bei einer Mühlenrevision von einer aufgebrachten Menge erschlagen.

 Samstag, 4. Mai 1918:

Schlan-Kladno (Slaný-Kladno, heute Tschechien): 9000 Arbeiter_innen streiken gegen die Lebensmittelnot und für Lohnerhöhungen. Es wird großflächig geplündert, Menschenmengen überfallen zu Tausenden Meierhöfe, Bauerngehöfte und Mühlen. Es kommt zu Schießereien, ein toter Plünderer, viele Verletzte.

 Donnerstag, 2. Mai 1918:

 Sambor (Galizien, heute Ukraine, Sambir): Der Heimkehrer Roman Werminski versucht mit einigen Anhängern, die anderen Soldaten dazu zu bringen, gegen die Obrigkeit zu rebellieren. Als der Korporal Smoluchowski erscheint, erschießt er ihn und flüchtet. Fünf seiner (vermeintlichen) Anhänger werden inhaftiert.

 Mittwoch, 1. Mai 1918:

 Wien /Niederösterreich: Die meisten Unternehmen der Monarchie haben für die Maifeiern freigegeben.

 Die Maifeiern, ausschließlich Saalveranstaltungen der Sozialdemokratie verlaufen überall ruhig. Die Beteiligung ist geringer als im Vorjahr, aber es fällt auf, dass Frauen einen stärkeren Anteil ausmachen.

 Die lebhaftesten und zahlenmäßig größten Demonstrationen finden in Prag (über 100.000) und in vielen tschechischen Industriestädten statt.

Dienstag, 30. April 1918:

In der Fabrik Samuel Meisel und in der Fabrik „Vulkan“ wird die Arbeit wieder aufgenommen.

Krieg / Politik

Der Vorsitzende des gemeinsamen Ernährungsausschusses, General Ottokar Landwehr, lässt deutsche Getreideschlepper mit 2455 Waggons Mais, die die Donau hinauffahren, aufbringen, um damit Wien und die Armee zu versorgen. Damit soll Druck ausgeübt werden, um eine gegenüber des Deutschen Reiches für Österreich-Ungarn günstigere Verteilung des rumänischen Getreides zu erreichen.

 Montag, 29. April 1918:

Krieg / Politik

Die deutsche Besatzungsmacht hat die gerade tagende Zentralna Rada (Zentralversammlung) in Kiew (Ukrains) gewaltsam aufgelöst, weil die Zusammenarbeit zur Lieferung von Lebensmitteln nicht in dem Maße funktioniert wie sich das die Mittelmächte vorstellen. Das ist das Ende der ukrainischen Volksrepublik. Der Großgrundbesitzer Pawlo Skoropadskyj wird eingesetzt, der daraufhin mit anderen Großgrundbesitzern das „Hetmanat“ gründet.

Freitag, 26. April 1918:

Wien: Die Sauer-Arbeiter_innen kehren an ihre Arbeitsplätze zurück. 300 von 900 Arbeiter_innen der Maschinenfabril „Vulkan“ streiken.

 Krieg / Politik

Das Deutsche Reich und Sowjetrussland nehmen diplomatische Beziehungen auf.

 Donnerstag, 25. April 1918:

 Wien: Die Arbeiter_innen der Automobilfabrik Sauer (600) legen auf Grund der schlechten Lebensmittelversorgung die Arbeit nieder. Auch die 180 Arbeiter_innen der Papierfabrik Samuel Meisl streiken für eine Lohnerhöhung.

 Żurawica (Galizien, heute Polen): Ein Heimkehrer des IR 9 (Infanterieregimenr 9, mehrheitlich ruthenisch) wird verhaftet, weil er sich lautstark gegen sein Ausgehverbot wehrt. Infanteristen sammeln sich vor dem Arrest. Die Heimkehrer benutzen einen Augenblick der Unaufmerksamkeit und bemächtigen sich der Waffen im Arrestlokal. Ein Feldwebel sperrt sich im Wachlokal ein, das von den Soldaten belagert wird. Der festgenommene Heimkehrer wird freigelassen, wodurch sich die Lage beruhigt. (Vor einem Standgericht werden sieben Angeklagte auf Grund ungenügenden Beweismaterials einem ordentlichen militärgerichtlichem Verfahren zugewiesen).

 

Mittwoch, 24. April 1918:

 Arbeiter_innen der Werkstätte Graz legen die Arbeit nieder, um gegen die hohen Fettpreise zu protestieren. Ohne Erfolg wird die Arbeit am selben Tag wieder aufgenommen.

 Laibach (Ljubljana): Schon in den Vortagen demonstrierten Frauen gegen den Lebensmittelmangel. Heute stürmen sie das Gebäude des Landespräsidenten und zerlegen das Mobiliar. Danach zerschlagen sie Scheiben im Landhaus, des Kaffeehauses des deutschen Kasinos und plündern das Warenlager einer Wäschehandlung. Militärs des GBSchR 2 (Gebirgsschützenregiment, hauptsächlich slowenisch) weigern sich, gegen die Demonstrant_innen vorzugehen. Ein mehrheitlich ungarisches Regiment wird herangezogen.

 Bezirk Pilsen: In drei Dörfern finden Demonstrationen von „Frauen und Kindern“ gegen Requisitionen statt.

Kritik des ungarischen Abgeordnetenhauses an den durchgeführten Requisitionen von Nahrungsmitteln: „Kriegszug gegen die Landbevölkerung.“ „In Böhmen traut man sich nicht requirieren.“ Außerdem wird beklagt, dass die Großgrundbesitzer geschont würden.

 

Samstag, 20. April 1918:

 Wien: Die „Aviatik“ und die Aeroplanfabrik Lohner nehmen nach Zusagen für bessere Versorgung die Arbeit wieder auf.

 Donnerstag, 18. April 1918:

 Wien: Wegen Versorgungsschwierigkeiten stellen die Arbeiter_innen der Flugzeugfabrik „Aviatik“ (700) und der Wagen- und Aeroplanfabrik Lohner (640) die Arbeit ein.

 Mittwoch, 17. April 1918:

 Krakau: Neuerlich Plünderungen. Als Militär von „etwa 100 Jugendlichen“ angegriffen wird, schießen die Soldaten, eine Frau wird verletzt.

  Dienstag, 16. April 1918:

 Rumburg (Rumburk, heute Tschechien): Demonstrationen gegen den herrschenden Lebensmittelmangel. Demonstrant_innen versuchen, in Geschäfte einzudringen, Fensterscheiben werden zertrümmert. Das Militär kann die Ruhe wieder herstellen.

Krakau: „Zusammenrottungen und Plünderungen“ gegen überhöhte Preise von jüdischen Kaufleuten.

 Montag, 15. April 1918:

Wien: Die Arbeit in der Zigaretten-Hülsenfabrik „Abadie“ wird wieder aufgenommen wie auch in der Lampenfabrik Ditmar Brünner.

Sonntag, 14. April 1918:

Wien: In der Lampenfabrik Ditmar Brünner im 11. Bezirk bricht ein Streik für eine Verbesserung der Versorgungsverhältnisse aus.

 Die Arbeiter_innen der Hauptwerkstätte der Wiener Straßenbahn werden von den Reichsratsabgeordneten Skaret und Forstner (Sozialdemokraten) von einem Streik abgehalten. Sie begnügen sich mit einer Intervention beim Bürgermeister.

 Krieg / Politik

 Aufgrund der Sixtus-Affäre tritt Ottokar Czernin als Außenminister zurück (vgl. 12. April 1918).

 Samstag, 13. April 1918:

Krieg / Politik
Helsinki wird durch deutsch-finnische Truppen erobert.

Freitag, 12. April 1918:

 Wien: Streik „wegen Lohndifferenzen“ in einer Zigaretten-Hülsenfabrik „Abadie“)(250)

 Krieg / Politik

 Georges Clemenceau, der Regierungschef Frankreichs lässt einen Brief Kaiser Karls anPrinz Sixtus von Bourbon-Parma, dem Bruder der Kaiserin Zita, vom März 1917 veröffentlichen, in dem in dem der Kaiser betont, dass das umstrittene Elsass-Lothringen kein Friedenshindernis sein würde. Das bedeutet, dass Kaiser Karl als Lügner dasteht, dass die Deutschen dem Verbündeten noch weniger trauen, aber auch, dass es die Entente aufgibt, einen separaten Friedensschluss mit Österreich-Ungarn anzustreben.Sie forcieren die Unterstützung der aus der Monarchie strebenden Nationalitäten.

 Donnerstag, 11. April 1918:

Somsály: Nach dem Begräbnis der Erschossenen wird die Marseillaise gesungen, danach kehren die Arbeiter_innen in die Gruben zurück (vgl. 7. April 1918).

 Wien: Streik der Tischler_innen im Arsenal „wegen Lohndifferenzen“.

Mittwoch, 10. April 1918:

 Wien: Der Streik in der Metallwarenfabrik Kremenetzky wird mit 20% Lohnerhöhung beendet.

 Dienstag, 9. April

 Krieg / Politik

 In Flandern beginnt der zweite Teil der deutschen Frühjahrsoffensive, die Operation Georgette“.

 Sonntag, 7. April 1918:

Resiczabánya(Reșița, heute Rumänien): Ausgehend von den Walzwerken der Staatsbahnen treten 6500 Arbeiter_innen in den Streik, um gegen hohe Gebühren zu protestieren. Verhandlungen und militärischer Druck legen den Ausstand bei.

 Somsály (Ungarn): Arbeiter_innen der Braunkohlengrube wollen wegen Erschöpfung einen Tag frei. Als dem Wortführer gedroht wird, werden die Gendarmen mit Steinen, Hacken und Erdschollen beworfen. Diese schießen: zwei Tote, mehrere Verletzte. Alle Arbeiter_innen gehen in den Streik, die Objekte der Fabrik (z.B. Sprengmittelmagazine) müssen vom Militär bewacht werden.

Samstag, 6. April:
Wien: Nur einem Teil der Arbeiter_innen der Metallwarenfabrik Kremenetzky werden geforderte höhere Bezüge gebilligt (250). Die anderen streiken (780).

 Krieg / Politik

 Einstellung der Operation Michael. Nach anfänglichen Erfolgen mit der Beschießung von Paris stockt die Offensive.

 Donnerstag, 4. April 1918:

Schluckenau (Šluknov, nördlichste Stadt Tschechiens): Rund 1000 meist deutschsprachige Demonstrant_innen schlagen bei einer Hungerkundgebung Fenster ein. Das Ersatzbataillon SchR 7 (Schützenregiment 7, großenteils tschechisch), in Rumburg stationiert, erweist sich im Einsatz gegen die Proteste als verlässlich.

Mittwoch, 3. April 1918:

 Krieg / Politik

 Die Deutsche Armee landet in Finnland, um die „Weißen“ gegen die „Roten“ zu unterstützen.

 Montag, 1. April 1918:

Grödig: Rebellion im an das Kriegsgefangenenlager Grödig angeschlossene Flüchtlingslager: Frauen entwaffnen das Wachpersonal, Demonstrant_innen verbarrikadieren den Eingang. Zusätzliche Mehlrationen können den Aufruhr beenden.

Donnerstag, 28. März 1918:

 Wien: Die Arbeiter_innen der Metallwarenfabrik Kremenetzky treten wegen „Lohndifferenzen“ in einen mehrstündigen Streik. Sie bekommen die Zusage, dass die Angelegenheit bis 4. April geregelt wird.

 Montag, 25. März 1918:

In Minsk wird die weißrussische Volksrepublik ausgerufen (durch die Sozialdemokratie, Christdemokraten und den Jüdischen Bund). Sie wird weder von den Bolschewiki noch von den Deutschen anerkannt.

Samstag, 23. März 1918:

Schiltal: Auch wenn es gelungen ist, die streikenden Arbeiter_innen an die Arbeitsplätze zu zwingen, dauert der Widerstand an: Ablehnung der Befehle, Ausdehnung der Freizeit, „unlegitimierte Arbeitsunterlassungen“, Streikdrohungen. Vertrauensleute, die mit der Firmenleitung und dem Militär verhandeln, werden „verdächtigt und beschimpft, ja terrorisiert“.

Budapest: 2000 Schuhmacher_innen streiken, weil drei Arbeiterinnen wegen „Renitenz“ entlassen worden sind. Der Betrieb ist militarisiert, das Militärkommando lässt die Fabrik schließen, gegen Arbeiter_innen werden Zwangsmaßregeln vorgenommen.

Donnerstag, 21. März 1918:

 Pilsen: Die Arbeiter_innen der Hauptwerkstätte werden unter Assistenz von drei Kompanien mit zwei Maschinengewehren zur Wiederaufnahme der Arbeit gezwungen, zwölf Arbeiter_innen abgeführt. Bei jeder Ausfahrt der Lokomotiven übernehmen jeweils ein Gendarm und ein Soldat den „Schutz“ des Fahrpersonals (vor Angriffen als Streikbrecher).

 Der für die Region zuständige Feldmarschallleutnant Reymann: „Ich glaube, wenn der erste baumelt, ist jeder Streik gebrochen und es gibt keinen Zweifel, ob Staat oder Arbeiterschaft den Willen als der Stärkere durchsetzen vermochte.“ Er meint auch, wenn bei militarisierten Arbeiter_innen nicht durchgegriffen werde , werde das Rückwirkungen auf die Disziplin bei der Armee haben.

 Krieg / Politik

 Deutschland beginnt die erste Frühjahrsoffensive („Operation Michael“) in Frankreich. 73 Divisionen greifen die Truppen der Entente an.

 Mittwoch, 20. März 1918:

 Streiks bei der Eisenbahn in Pilsen. Die Arbeiter_innen fordern Mehlzuschüsse und Teuerungsaushilfen. 50 Soldaten werden zur Bemannung der Lokomotiven beigestellt. Die Kohleversorgung der Škoda-Werke ist beeinträchtigt.

 Montag, 18. März 1918:

 Bergbaugebiet von Zsilvölgi-Lupény(Siebenbürgen, heute Rumänien im Schiltal / Valea Jiului): Arbeiter_innen streiken für bessere Verpflegung und Bekleidung. 400 Landsturmarbeiter(_innen), sie unterliegen dem Militärstrafrecht (Streik ist Meuterei), weigern sich trotzdem die Arbeit aufzunehmen, 200 demonstrieren. Um eine Ausbreitung zu verhindern, werden 2000 Mann mit Maschinengewehren angefordert.

 Wiener Becken: Versammlungen zu Lohnforderungen in vielen Firmen, Gerüchte über demnächst ausbrechende Streiks.

 Mittwoch, 13. März 1918:

Brüx (heute Most, Tschechien). Die Arbeiter_innen schließen sich den Streiks in Teplitz an (3600). Truppen werden in die Region entsandt, zwangsweise Einrückungen folgen. Die Streiks sind unter Kontrolle, aber die Unruhe bleibt.

Ternitz: Einige hundert „Arbeiterfrauen“ verhindern die Verkaufstätigkeit in der Fleischabgabestelle („es darf wohl Fleisch ausgegeben werden, aber nichts kassiert werden“), danach wird ein Brotwagen geplündert. Während ein paar Stunden steht die Arbeit im Stahl- und Eisenwerk still. („… die Frauen sagten, sie werden es so wie in Graz machen.“)

Krieg / Politik

Die Truppen der Mittelmächte erobern Odessa.

 Montag, 11. März 1918:

Teplitz (heute Teplice, Tschechien): 2500 Arbeiter_innen in den Braunkohlenminen streiken gegen die Reduzierung der Zuteilung von Mehl. Außerdem wollen sie das gleiche weiße Mehl wie die Kurgäste der Stadt.

Freitag, 8. März 1918:

Wien: Beginnende Streiks der Werkstättenarbeiter_innen der Nord-, Nordwest-und Südbahn wegen der schlechten Approvisierungsverhältnisse werden durch Verhandlungen wieder beigelegt.

Budapest: Teile der Arbeiter_innenschaft üben seit dem 5. März passive Resistenz (sind in den Fabriken, arbeiten aber nicht). Als 55.000 Arbeiter_innen ausgesperrt werden, rufen die Vertrauensmänner zur Wiederaufnahme der Arbeit auf.

Donnerstag, 7. März 1918

Krieg / Politik

Die Weiße Regierung in Finnland schließt einen Friedens- und Freundschaftsvertrag mit dem Deutschen Reich.

Mittwoch, 6. März 1918:

Graz: Eine Deputation von Vertrauensmännern verschiedener Fabriken spricht wegen der herrschenden Verpflegsschwierigkeiten in der Statthalterei vor. 1500 Demonstrant_innen, darunter viele Jugendliche und Frauen, schlagen Scheiben ein und plündern mehrere Kleidergeschäfte.

Dienstag, 5. März 191:

 Budapest: Die Hauptvertrauensmänner der Budapester Fabriken beschließen, die Arbeitszeit einseitig auf acht Stunden zu verkürzen. Aus ganz Ungarn werden Militärassistenzen heran geführt, um die Arbeiter_innen in die Fabriken zwingen.

Krieg / Politik

In Buftea (in der Nähe von Bukarest) muss Rumänien einen Vorfrieden mit den Mittelmächten zustimmen. Bulgarien wird die Dobrudscha zugesprochen. Damit ist für Österreich-Ungarn der Krieg im Osten vorläufig beendet.

 

Sonntag, 3. März 1918:

Krieg / Politik

Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland (als Bevollmächtigter Grigori Jakowlewitsch Sokolnikow) wird unterzeichnet. Das revolutionäre Russland ist gezwungen, die Teile aufzugeben, die durch die Deutschen bereits besetzt sind. Deutsche Truppen stehen im Baltikum und großen Teilen Weißrusslands, Finnland und der Ukraine.

Eine „Geschichte“ von den Vertragsverhandlungen: Die adeligen Diplomaten und Generäle mussten sich nicht nur mit einem Arbeiter und einem Bauern als Vertreter_innen der Revolutionäre zusammen setzen, sondern auch mit einer Frau: Anastassija Alexejewna Bizenko, als Sprecherin für die Frauen und die linken Sozialrevolutionäre. Sie erschoss 1905 den vormaligen Kriegsminster und dann zur Niederhaltung von Unruhen der Bäuer_innen nach Saratow entsandten Generaladjutanten Wiktor Sacharow und wurde erst durch die Revolutionen aus Sibirien befreit.

 Der österreichisch-ungarische Außenminster Ottokar Czernin schreibt über sie in Brest-Litowsk: „Alles, was um sie her vorgeht, scheint ihr eigentlich gleichgültig. Nur wenn die Rede auf die großen Prinzipien der Revolution kommt, dann wacht sie plötzlich auf, ihr ganzer Ausdruck verändert sich, und sie erinnert an ein Raubtier, das plötzlich die Beute vor sich sieht und sich anschickt, sich auf dieselbe zu stürzen.“

 

Freitag, 1. März 1918:

Die Landes-Gendarmerie-Kommanden melden „Ende Februar trotz allgemeiner Beruhigung noch immer einzelne Krawalle wegen des Hungers und für den Frieden. Die Erbitterung gegen Deutschland nimmt zu.“

Krieg / Politik

Deutsche Truppen besetzen Kiew und vertreiben die „Roten“.

Donnerstag, 28. Februar 1918:

 Um bei zukünftigen Nahrungslieferungen nicht benachteiligt zu werden, rückt die österreichisch-ungarische Armee in die Ukraine ein. Die Ukraine hat zweimal (25. und 27. Februar 1918) um einen Einmarsch in die an Galizien angrenzenden Gebiete gebeten.

Dienstag, 26 Februar 1918:

Krieg / Politik

Die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk werden wieder aufgenommen. Die deutsche Armee marschiert trotzdem weiter.

Montag, 25. Februar 1918:

Die Arbeiter_innen der Südbahnwerkstätte in Marburg (Maribor, heute Slowenien) legen die Arbeit nieder. Sie fordern eine Verbesserung der Akkordlöhne und eine Erhöhung der Mehlquote. Nach wenigen Stunden wird der Ausstand durch Verhandlungen beendet.

Krieg / Politik

Die deutsche Armee erobert Reval (Tallinn, Estland), der Vormarsch der deutschen Armee begegnet praktisch keinem Widerstand.

Donnerstag, 21. Februar:

3000 Demonstrant_innen versuchen in Podgórze (Krakau) zwei russische Offiziere zu befreien, die sie für Polen halten.

Dienstag, 19. Februar 1918:

Novy Targ: Weil die Menge versucht, das Militärverpflegungsmagazin zu plündern, macht das Militär von der Waffe Gebrauch. Eine Frau wird erschossen.

Montag, 18. Februar 1918:

Galizien: Generalstreik der polnischen Bevölkerung: In Krakau und den meisten Teilen Galiziens bleiben die riesigen Demonstrationen ruhig und diszipliniert, Kundgebungen gibt es auch in kleineren Orten. Nur selten schreitet das Militär wegen Gewalttätigkeiten ein, in Novy Targ werden Lebensmittelmagazine geplündert.

Durch den Streik bei den Eisenbahnen kann dringender Nachschub der Armee nicht zugeführt werden, müssen operative Truppenverschiebungen unterbrochen werden und die Zufuhr von Kohle und Approvisierungsgütern kommt ins Stocken. Im Generalgouvernement Lublin wird der Generalstreik nur teilweise befolgt.

Sinj (Dalmatien): Nach Protesten gegen die schlechte Versorgung werden 63 Mann der Heumahdtragtierstaffel entwaffnet, drei „Rädelsführer“ festgenommen.

Krieg / Politik

Nachdem am 16. Februar 1918 das Ende des Waffenstillstandes angekündigt wurde, beginnt die deutsche Armee die „Operation Faustschlag“: 50 Divisionen (eine Division sind 10.000 bis 30.000 Mann) greifen das revolutionäre Russland in drei Richtungen an: nach Nordosten Richtung Narva, nach Osten Richtung Minsk und nach Südosten in die Ukraine (Kiew). Österreich-Ungarn beteiligt sich (vorerst) nicht.

Samstag, 16. Februar 1918

Gefecht des polnischen Hilfskorps unter Józef Haller mit österreichisch-ungarischen Truppen nördlich von Czernowitz.Das Gefecht fordert auf Österreich-ungarischer Seite 11 Tote und 38 Verwundete. 160 Offiziere und 4700 Mannschaften werden gefangen genommen. 500 Mann schaffen den Durchbruch nach Bessarabien (heute Moldawien).

Krieg / Politik

Die Ukraine ersucht die Mittelmächte, gegen die Bolschewiki einzugreifen. In einem geheim gehaltenen Gesprächen wird die Grenze im Cholmer Gebiet zuungunsten der Ukraine verschoben. (In einem Zusatzvertrag am 4. März 1918 wird das offiziell, die polnische Loyalität kann damit nicht wieder hergestellt werden.)

 

Freitag, 15. Februar 1918

In der Nacht zum 16. Februar meutern zwei Regimenter des polnischen Hilfskorps (5000 bis 6000 Mann) unter Józef Haller, nehmen den Kommandanten gefangen und beginnen nach Bessarabien durchzubrechen, um sich mit dem „polnischem Korps“ zu vereinigen, das in der Ukraine aus polnischen Offizieren und Soldaten aus der russischen Armee besteht.

Das Polnische Hilfskorps wurde aufgestellt, um gegen Russland zu kämpfen. Seit Sommer 1917 unterstehen die ungefähr 7500 Soldaten österreichisch-ungarischer Oberhoheit (eine „polnische Wehrmacht“ unterliegt deutscher Hoheit), auch weil viele Polen Staatsbürger der Monarchie sind.

 

Donnerstag, 14. Februar:

Krieg / Politik
Genera
l v. Sarkotić (Stephan Freiherr Sarkotić von Lovćen): „Die zunehmende Bandenzahl in Montenegro und im herzegowinischen Grenzgebiet […] dass die Banden sogar über Maschinengewehre und Handgranaten verfügen […] und dass wir mit einer weiteren Zunahme der Aufstandsbewegung und deren Ausbreitung auch auf Serbien rechnen müssen“ … verlangen „Vorsorgen in Aussicht zu nehmen, die eine rasche Verstärkung der bedrohten Gebiete ermöglichen.“Das „Bandenwesen“ dieser entstehenden „Grünen Kader“ sind meist Deserteure, die sich in den Wäldern und Dörfern in Bosnien und Kroatien (Slawonien)verstecken.

 

Mittwoch, 13. Februar 1918:

Krakau: Weitere Demonstrationen. Die Polizei greift kaum mehr ein. Aus Waggons werden Gefangene befreit, es wird geplündert. In Lublin wird das Standrecht verhängt. Immer mehr Truppen werden nach Krakau verlegt.

 

Dienstag, 12. Februar 1918:

Konjica (Bosnien): Widersetzlichkeiten einer hauptsächlich kroatisch dominierten Einheit (IR 53) auf dem Marsch führt zu ihrer Entwaffnung und der Verhaftung von „Rädelsführern“.

Weitere Demonstrationen in Krakau („Pöbel“ und „Angehörige des polnischen Hilfskorps“). Symbole der Monarchie werden herunter gerissen. Militär wird gegen die Demonstrant_innen eingesetzt und schießt auf Zvilist_innen, die Steine werfen.

Demonstrationen und Ausschreitungen ebenso in Lublin (Militärgeneralgouvernement), um gegen den Friedensschluss mit der Ukraine zu demonstrieren.

 

Montag, 11. Februar 1918:

Čapljina (Bosnien): Das hauptsächlich ruthenisch (ukrainisch) dominierte SchR 36 (Schützenregiment 36) soll an die albanische Front verlegt werden. Weil sich die Abfahrt verzögert, wird einiges getrunken. Nach einigen hundert Meter Fahrt nehmen die Ruthenen den Offizierswaggon unter Beschuss. Bei einem folgenden Aufenthalt desertierten drei Soldaten in die Wälder.

Tausende Pol_innen demonstrieren in Krakau vor dem deutschen Konsulat, brechen dort ein und demolieren die Einrichtung. Es beteiligen sich dabei auch k.u.k. Offiziere polnischer Nationalität in Uniform.

Begeisterte Kundgebungen von Ruthen_innen (Ukrainer_innen) in vielen Städten Galiziens, um den Friedensschluss mit der Ukraine zu begrüßen. (Lemberg: 12.000, Kolomea: 10.000, Stanislau: 10.000, Drohobyez: 20.000.

Krieg / Politik

Die vier zum Tode verurteilten Matrosen von Cattaro (Franz Rasch, Anton Grabar, Jerko Sisgorić und Mate Berničevič) werden am frühen Morgen hingerichtet.

Victor Adler und Karl Seitz intervenieren bei Kriegsminister Stöger-Steiner (Rudolf Freiherr Stöger-Steiner von Steinstätten) für die Matrosen von Cattaro: Wenn es weitere Hinrichtungen gäbe (was nicht geplant war), würde die Sozialdemokratie, die durch den Artillerieoffizier Julius Braunthal informiert war, die Meuterei an die Öffentlichkeit bringen (sie wurde der Öffentlichkeit erst Anfang Oktober 1918 bekannt).

 

Sonntag, 10. Februar 1918:

Die Einrückung von 477 Bergarbeiter kann den Streik in Witkowitz beenden.

Mostar: Gegen Abend ziehen Angehörige des IR 22 durch die Stadt. Bei den stattfindenden Plünderungen beteiligen sich auch Zivilpersonen. 30 Offiziere im Café „Hercegovina“ müssen ins Innere des Gebäudes flüchten. Militärs gelingt es, die Meuterer ins Lager zurück zu drängen. Auf beiden Seiten wird von der Schusswaffe Gebrauch gemacht (ein toter Leutnant, ein toter Fähnrich, vier tote Meuterer, 58 Verwundete). In der Nacht wird die Stadt von ungarischen Assistenzeinheiten besetzt.

Der Kommandant lässt die nicht an der Meuterei beteiligten Marschkompanien aus Mostar verlegen. Auf dem Weg weigert sich die Mannschaft, weiter zu marschieren. Der Kommandant ist gezwungen den Rückweg anzutreten, Die ganze renitente Mannschaft wird inhaftiert.

Krieg / Politik

Trotzki reist aus Brest-Litowsk ab, seine Position: „Weder Krieg noch Frieden.“

 

Samstag 9. Februar 1918:

Mostar (Bosnien): Zu Mittag verweigern die Soldaten einer Marschkompanie des IR 22 (k.u.k. Infanterieregiment 22, mehrheitlich serbisch und kroatisch)die Menage. Als ein Lebensmittelfuhrwerk vorbei kommt, stürzt die Mannschaft hinaus und beginnt zu plündern. Nach Diskussionen kann die Ordnung wieder hergestellt werden. „Rädelsführer“ werden in Gewahrsam genommen.

Krieg / Politik

Brest-Litowsk: Friedensschluss zwischen den Mittelmächten und der Ukrainischen Volksrepublik. Der Cholmer Kreis (heute Chelm in Polen) wird der Ukraine zugesprochen. Die Ukraine verpflichtet sich neben anderen Waren und Lebensmitteln 1 Mio Tonnen Getreide zu liefern (bis zum Ende des Kriegs werden es nur ca 120.000 Tonnen sein)

Als Antwort auf den Friedensschluss (mit dem Cholmer Kreis für die Ukraine) tritt die unter der Ägide der Mittelmächte installierte Regierung des Regentschaftskönigreiches Polen zurück.

 

Donnerstag, 7. Februar 1918:

Die Ausstandsbewegung im mährisch-schlesischen Kohlenreviere „… wurde zwar durch den herrschenden Lebensmittelmangel ausgelöst, dürfte jedoch nunmehr vorwiegend nationalpolitische Tendenzen verfolgen.“ (Toggenburg an den Kaiser)

Krieg / Politik:

Die Bolschewiki erobern Kiew.

Vier Matrosen von Cattarowerden von einem Standgericht zum Tode verurteilt (Franz Rasch, Anton Grabar, Jerko Sisgorić und Mate Berničevič). Zwei werden freigesprochen, zwei zu Kerker verurteilt, die restlichen, an die 400, dem Kriegsgericht überwiesen.

 

Mittwoch, 6. Februar 1918:

Witkowitz: Zwei Drittel der Eisenarbeiter_innen erscheinen nach einem Aufruf verschiedener Organisationen der Bergarbeiter_innen wieder bei der Arbeit. Damit ist der Streik dort als beendigt zu betrachten. In den Bergwerken wird weiter gestreikt. Erst in den folgenden Tagen können auch dort die Arbeiter_innen in die Schächte gezwungen werden. Noch immer beträgt die Zahl der Streikenden an die 20.000. Auch im mährisch-schlesischen Grenzgebiet zeichnet sich ein Ende der Streiks ab.

Lemberg: Begräbnis des erschossenen polnischen Gymnasiasten unter großer Beteiligung der Bevölkerung, Ankündigung eines Generalstreiks.

 

Dienstag, 5. Februar 1918:

Orlau (heute Orlová, Tschechien, bei Mährisch-Ostrau): Eine Versammlung von 2000 Personen, die trotz Verbotes demonstrieren, wird zerstreut. Im mährisch-schlesischemKohlenrevier dauern die Streiks unvermindert an, derzeit befinden sich 29.000 Bergarbeiter_innen imAusstand. In einigen Fabriken wird die Arbeit erst jetzt niedergelegt.

In Witkowitz kehren die Arbeiter_innen langsam an ihre Arbeitsplätze zurück.

 

Montag, 4. Februar 1918:

Witkowitz: 5000 Arbeiter_innen werden unter militärischem Zwang zur Arbeit geleitet.

 

Sebenica (Šibenik): Die Besatzung des Fort Nikolo meutert wegen mangelhafter Verpflegung, wird aber nach kurzer Zeit überwältigt.

 

Krieg / Politik:

Aufgrund von Gerüchten über weitere Meutereien in der Kriegsmarine und über bevorstehende Streikaktionen und Demonstrationen in den Rüstungsindistrien wird eine beschleunigte Mehlzufuhr nach Dalmatien bewilligt.

Im mährisch-schlesischen Kohlenreviere (alleruntertänigste Vorträge vom …) hat sich die Lage seit gestern etwas gebessert. Heute früh waren von der Ausstandsbewegung 33 Schächte, davon 5 nur zum Teile betroffen; auf 15 Schächten wird normal gearbeitet.“ Bericht von Innenminister Friedrich von Toggenburg an den Kaiser.

Vierzehn Bataillone werden in Ungarn für die Getreiderequisitionen zur Verfügung gestellt.

Sonntag, 3. Februar 1918:

Deutschland: Die Unterdrückung aller Demonstrationen, sowie Verhaftungen und Verschickungen an die Front erwirken das Abbrechender Januarstreiks.

Cattaro: Am Vormittag kontrollieren die Aufständischen nur noch neun Kriegsschiffe. Inzwischen sind Kriegsschiffe der 3. Division der Kriegsmarine zur Unterdrückung der Meuterei eingetroffen. Eine Abstimmung auf den Schiffen geht schließlich für eine Beendigung der Revolte aus. Lediglich dem Elektromaat Gustav Stonawski und einem Seefähnrich namens Sesan, der sich als einziger Offizier dem Aufstand angeschlossen hat, gelingt mit einem Flugzeug die Flucht nach Italien.

Danach werden die Matrosenräte und die, die zuletzt für die Weiterführung der Revolte gestimmt haben, festgenommen. 800 Matrosen werden als verdächtig ausgeschifft, 40 vor ein Standgericht gestellt.

In Witkowitz sind inzwischen 33.600 Bergarbeiter_innen in über 30 Schächten im Streik wie auch 22.000 Eisenindustriearbeiter_innen. Auch im mährisch-schlesischen Kohlengebiet wird weiter gestreikt.

 

Samstag , 2. Februar 1918:

Cattaro: Der „zentrale Matrosenrat“ versucht Kontakt mit der österreichischen (Victor Adler) und der ungarischen Sozialdemokratie (Michael Károly) aufzunehmen, was durch Sabotage an den Funkgeräten nicht gelingt. Gegen 14 Uhr wird ein Wachschiff der Meuterer, dieSMS Kronprinz Erzherzog Rudolf, beim Verlegen ihres Standortes von einer in Reichweite liegenden Küstenbatterie beschossen: zwei tote und einige verletzte Matrosen. Die Offiziere können sich inzwischen auf den Schiffen frei bewegen und diskutieren mit den Mannschaften. Am Nachmittag beginnt die Absetzbewegung einiger Schiffe.

Ende der Streiks in Triest.

Keine Ende der Bergbaustreiks im mährisch-schlesischen Kohlengebiet. „Die Bemühungen der Arbeiterführer, die Arbeiterschaft zur Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen, sind bisher ohne Erfolg geblieben.“ Auch in Witkowitz gehen die Ausstände weiter. Angeblich seien keine Brotkarten ausgegeben worden.

Lemberg (Lwiw, heute Ukraine): Aus Protest gegen eine gemäßigte polnische Partei (Partei der nationalen Arbeit) entwickeln sich Demonstrationen gegen ein österreich-orientiertes Polen (Dualismus, Kaiser Karl soll König von Polen werden) und gegen den preußischen Imperialismus. Fensterscheiben und Auslagen werden zertrümmert, reichsdeutsche Symbole angegriffen. Schüsse der Exekutive, ein toter Gymnasiast, 11 Verletzte.

Streik der Werkstättenarbeiter_innen der Staatsbahnen in Lemberg wegen „Lohndifferenzen“.

 

Freitag,1. Februar 1918:

Im Bergbaugebiet in Mährisch-Ostrauund Schlesiendehnt sich der Streik weiter aus, jetzt auch nachWitkowitz (Vítkovice, Schlesien, heute Polen).

Cattaro (Kotor, heute Montenegro): Die Matrosen der SMS (Seiner Majestät Schiff) St. Georg (Flaggschiff der österreichisch-ungarischen Kreuzerflotte)sperren die Offiziere in ihre Kajüten (sie müssen dort das gleiche essen wie die Matrosen), geben einen Schuss ab und hissen eine rote und eine weiße Fahne. Die übrigen 40 Kriegsschiffe in der Bucht von Cattaro mit 6000 Mann Besatzung schließen sich an und ziehen ebenso rote und weiße Fahnen auf. Die deutschen U-Boote beteiligen sich nicht.Matrosenräte führen den Betrieb auf den Schiffen weiter. Die Forderungen sind Frieden, mehr Urlaub, mehr Gerechtigkeit in der Versorgung (Offiziere bekommen ein besseres Essen). Auch Zivilarbeiter_innen beteiligen sich mit eigenen Forderungen an der Revolte.

Donnerstag, 31. Jänner 1918:

In Deutschland hat sich der Januarstreik von Berlin auf Hamburg, München, andere Großstädte und das Ruhrgebiet ausgedehnt. In Berlin, wo täglich Demonstrationen stattfinden, wird der Belagerungszustand verhängt. Bei den Demonstrationen gibt es jetzt Tote und Verletzte.

Die Streiks in Triest dauern an.

Mährisch Ostrau und Schlesien: Inzwischen sind 21 Schächte im Streik.

 

Mittwoch, 30. Jänner 1918:

Mährisch-Ostrau (Ostrava, heute Tschechien): Neuerlich beginnen Streiks wegen der „ungünstigen Verpflegsverhältnisse“ in den Bergwerksgebieten von Mähren und dem angrenzenden Schlesien (13 Schächte, drei weitere zum Teil im Ausstand).

Triest: Derzeit befinden sich 15.000 Arbeiter_innen im Streik, an den Demonstrationen beteiligen sich mehrheitlich „Frauen und Kinder“.

 Krieg / Politik

 Brest-Litowsk: Trotzki kehrt an den Verhandlungstisch zurück, verweigert aber Gespräche, bei denen die Ukraine anwesend ist.

 

Dienstag, 29. Jänner 1918:

Steiermark: Streiks im Braunkohlenbergbau in Piberstein und im Rosental.

Dem Generalstreik in Triest schließen sich auch die Straßenbahner_innen und einige kleine Betriebe an, inzwischen sind 4000 im Ausstand.

Pilsen: Die Werkstättenarbeiter_innen der Staatsbahnen in Pilsen haben die Arbeit wieder aufgenommen, üben jedoch passive Resistenz. „Weiber und Pöbel“ demolieren Geschäfte und zerschlagen Hotel-Spiegelscheiben. Die Menge kann durch das Militär in Seitengassen abgedrängt werden.

 

Montag, 28. Jänner 1918:

In Berlin beginnen die Januarstreiks, die sich in Kürze auf große Teile des Deutschen Reichs ausbreiten.

In Triest streiken 3500 Arbeiter_innen für eine „sofortige Besserung der Approvisierungsverhältnisse“ und einen baldigen Friedensschluss.

Böhmen: Streiks gegen den Mehlmangel in Pilsen (2300 Werkstättenarbeiter_innen) und in Laun / Louny (1600)

In Pola kehren die Arbeiter_innen auf ihre Arbeitsplätze zurück. Festungskommissär: „… es sich um eine ausgesprochen revolutionäre Bewegung gehandelt hat, die nur dank dem ganz besonders einsichtsvollen Entgegenkommen der Marineverwaltung und dem sehr geschickten Eingreifen des Abgeordneten Domes auf das ökonomische Gebiet übergeleitet und so zum Stillstand gebracht wurde ...“Franz Domes war Reichstagsabgeordneter für die deutschsprachige Sozialdemokratie.

 

Sonntag, 27. Jänner 1918:

Steiermark: Die Arbeiter_innen des Bergbaus der Graz-Köflach-Bergbau-Gesellschaft (einige hundert) streiken für Lohnerhöhungen, Nachzahlung der Krankenkosten und die Erhöhung der Mehlration. Streiks auch im Bezirk Leibnitz und der Bergarbeiter_innen in Zangtal und in Oberndorf.

Krieg / Politik

Finnland: Eine Rote Garde besetzt die wichtigsten Gebäude von Helsinki und übernimmt in den nächsten Teile große Teile des Südens Finnlands. Im Norden halten sich die „Weißen“. Der 27. Jänner 1918 gilt als der Beginn des finnischen Bürgerkrieges.

 

Samstag, 26. Jänner 1918:

 Lebensmittelunruhen, bei denen Läden ausgeraubt werden, in Lemberg, heute Lwiw (Ukraine), Tarnów und Bochnia (Galizien, heute Polen).

 

Freitag, 25. Jänner 1918:

Die Unruhen in Wrschowitz (Vršovice) wegen der „ungünstigen Verpflegungsverhältnisse“ setzen sich fort. Die Militärassistenz muss aber nicht mehr eingesetzt werden. Auch in Bilin (Bílina), in Nordböhmen kommt es zu Ausschreitungen.

Die Jännerstreikwelleendet in Böhmen mit der Arbeitsaufnahme im Ostrauer Revier.

Krieg / Politik

Die Ukrainische Volksrepublik erklärt die Unabhängigkeit. Vorher war sie Teil einer Föderation mit Russland.

 

Donnerstag, 24. Jänner 1918:

In Wiener Neustadt und im Industrieviertel wird in den letzten noch streikenden Betrieben Deutsch-Österreichs die Arbeit wieder aufgenommen.

Einige hundert beteilligen sich an Hungerkrawallen in Wrschowitz (Vršovice), einem Stadtteil von Prag. Scheiben werden eingeschlagen, ein Schuhgeschäft geplündert.

Die Exekutive verhindert Demonstrationen in Pola. Der Streik geht weiter. Gerüchte über die Unterstützung durch Matrosen der im Hafen ankernden Kriegsschiffe.

Jaslo (Galizien, heute Polen): Lebensmittelkrawalle, eine Assistenzkompanie wird zugezogen.

Krieg / Politik

Deutschland und Österreich-Ungarn lehnen die 14 Punkte Wilsons ab.

 

Mittwoch, 23. Jänner 1918:

 Der Streik in Pola geht weiter. Neuerlich Demonstrationen und Auseinandersetzungen. Der Reichsratabgeordnete Domes aus Wien verhandelt mit dem Hafenadmiral und dem Kriegshafenkommandanten.

 Die Arsenalarbeiter_innen ziehen geschlossen und unter dem Singen des „Lieds der Arbeit“ wieder ein. Fast überall in Wien wird wieder gearbeitet.

 

Dienstag, 22. Jänner 1918:

In Ungarn wird die Arbeit fast überall aufgenommen.

In Wien streiken noch immer 56.000. Weiter Züge zu den Fabriken, die nicht mehr streiken. Im 10. Bezirk wird die Firma Vetter von Streikenden mit Steinen beworfen (22 Fenster demoliert). Sozialdemokratische Funktionär_innen können im 16. Bezirk durch Zureden einen Zug zum Parlament verhindern.

Streikende verhindern im Arsenal die Wiederaufnahme der Arbeit (eine „radikale Gruppe“), worauf alle wieder zum Arbeiterheim ziehen. Vor dem Arbeiterheim Favoriten sammeln sich so viele Streikende, dass der Straßenbahnverkehr eingestellt werden muss.

Niederösterreich: Der Streik bröckelt weiter ab. In der Munitionsfabrik Blumau, in der die Arbeit am Vortag aufgenommen worden ist, beginnen die Arbeiter_innen neuerlich zu streiken.

Hohe Beteiligung in den allen tschechischen Gebieten. DerGeneralstreikvollzieht sich unter straffer Führung der Funktionär_innen der sozialistischen Parteien in relativer Ruhe, um keinen Einmarsch reichsdeutscher Truppen zu provozieren. Die Schwerpunkte in Böhmensind Prag und Pilsen. Fast alle tschechischen Läden haben geschlossen. Forderungen sind die gleichen wie in Wien, ergänzt durch das Selbstbestimmungsrecht der Tschech_innen. In Prag demonstrieren Zehntausende.

Mährisch-Ostrau(Ostrava): In 16 Kohlenschächten, im Heizhaus und im Eisenwerk Witkowitz ist die Arbeit völlig eingestellt.

Seefestung Pola (heute Pula, Kroatien): 10.000 Arsenalarbeiter_innen gehen in den Streik: Forderungen: Rückkehr der Familien, Lohnerhöhungen, Besserstellung der (militarisierten) Landsturmarbeiter_innen. Bei Versammlungen kommt es zur Verbrüderung von Soldaten, Matrosen und Arbeiter_innen. Bei Demonstrationen kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Militärpolizei.

 

Montag, 21. Jänner 1918:

 Uberall in Ungarn wird demonstriert: „unter der oft nach einigen Tausenden zählenden Menge zum größten Teil Weiber und Mädchen und viele halbwüchsige Jungen das Hauptkontingent“.

 Aufruf der Sozialdemokratischen Partei Ungarns zur Einstellung der Streiks.

 Der Parteivorstand der Sozialdemokratie im Namen des Wiener Arbeiterrates: „fordert die Arbeiterschaft ganz Österreichs auf, die Arbeit wieder aufzunehmen.“ (AZ 21. Jänner 1918)

 Beginn der Verhaftungswelle gegen (greifbare) radikale Agitator_innen.

 Wien: Die Streiks werden teilweise eingestellt, teilweise weiter geführt. Immer wieder sollen es Frauen sein, die die Wiederaufnahme der Arbeit zu verhindern versuchen. Neuerlich versucht ein Demonstrationszug aus dem 10. Bezirk in die Innenstadt vorzudringen, wird aber von der Polizei zersprengt. Ein Zug von 400 Arbeiter_innen, der zufällig dort vorbei kommt, plündert das Magazin der Zuckerfabrik Viktor Schmidt und Söhne (10., Geiselbergstraße). Im 3. und 10. Bezirk ist der Widerstand am größten, aber überall widersetzen sich Arbeiter_innen einzelner Firmen. (60% hätten nach offiziellen Angaben die Arbeit wieder aufgenommen).

 Versammlungen im 3., 16., 18., und 20. Bezirksind überfüllt, teilweise haben nicht genug Menschen in den Sälen Platz und müssen auf der Straße bleiben, Fensterscheiben werden eingeschlagen. Überall heftige Diskussionen zwischen Vertrauensleuten und „radikalen Elementen“. Vereinzelt wird beschlossen, am nächsten Tag (Dienstag, 22. Jänner) zum Rathaus und zum Parlament zu ziehen.

 In Niederösterreich (ohne Wien) wird die Arbeit teilweise aufgenommen. Vereinzelt beginnen sogar Streiks wie in Waidhofen. Wiener Neustadt bleibt im Streik.

 Im LandSalzburg wird teilweise die Arbeit niedergelegt, teils ein Streik beschlossen (ca. 10.000 Arbeiter_innen).

 In Kladno (Tschechien) schließen sich die meisten Fabriken dem Streik an (insgesamt 27.000).

 In einer Reihe böhmischer Industriestädte setzen die Streiks erst ein (Jungbunzlau(Mladá Boleslav), Reichenberg (Liberec), Landskron(Lanškroun), Königinhof (Dvůr Králové), Schlan (Slaný) Taus (Domažlice).

 In Prerau (Mähren, Přerov heute Tschechien) wird für „Brot und Frieden“ demonstriert.

 

Sonntag, 20. Jänner 1918:

Die sozialdemokratischen Funktionär_innen gehen in die Bezirke, um für die Arbeitsaufnahme für Montag zu werben. Sie versuchen, die vagen Zusagen als Sieg zu verkaufen. In Wien gelingt das in einigen Bezirken unter heftigem Widerspruch, in anderen können sie sich nicht durchsetzen. („Verräter“, „Räuber“, „k.uk. Vertrauensmänner“). Die Arsenalarbeiter_innen (hauptsächlich Frauen*) ziehen durch den zehnten Bezirk und werden von der Polizei zerstreut. Häufiges Argument der „Radikalen“ ist, dass sie die später streikenden ungarischen Arbeiter_innen verraten würden (über die anderen Streiks außerhalb von Wien sind die Arbeiter_innen kaum informiert).

In Wiener Neustadt wird Karl Renner kurzfristig von den Arbeiter_innen gefangengesetzt.

Graz: 15.000 bis 20.000 demonstrieren, um die Forderungen der Streiks zu unterstützen.

Salzburg: Anlässlich einer Friedenskundgebung erklärt sich „die Arbeiterschaft“ solidarisch mit den streikenden Arbeiter_innen, will aber eine vorerst zuwartende Haltung einnehmen.

Budapest: Massenversammlungen zu Frieden und sozialen Forderungen.

Aber auch die ungarische Sozialdemokratie verhandelt mit der Regierung.

Krakau kommt nicht zur Ruhe.

Im Kohlenrevier Suchau-Karwin(Sucha-Karviná, Schlesien, Industriegebiet, heute zwischen Polen und Tschechien aufgeteilt) bricht ein partieller Streik aus.

 

Samstag, 19. Jänner 1918:

 Aufruf der Sozialdemokratischen Partei Ungarns: „Wir fordern Frieden , Recht und Brot. Die Regierung muss Garantien abgeben, dass sie dem Elend des Krieges, der Lebensmittelknappheit, und der Teurung ein Ende bereiten will. Der Massenstreik hunderttausender Proletarier will von den Mächtigen Zugeständnisse erzwingen ...“

 In Ungarn sind nach offiziellen Schätzungen 200.000 Arbeiter_innen im Streik, auch in den Heizhäusern und Werkstätten der Eisenbahnen wird gestreikt, die Bahnlinie Kassa-Oderberg (Košice / heute Slowakei, Bohumin /heute Tschechien) blockiert. In Budapest demonstrieren Hunderttausende.

 In den „Mitteilungen an die Arbeiter“ erscheint ein Bericht über die Streiks in Ungarn („Die ungarischen Arbeiter schließen sich an“), der durch die Zensur gerutscht ist.

 Krakau: In Krakau wird neuerlich demonstriert.

 Teilweise Streiks im Brünner Industriebezirk.

 Streiks in den Industriegebieten umMährisch-Ostrau (Ostrava, heute Tschechien)

 7000 Arbeiter_innen in der Poldi-Hütte in Kladno (heute Tschechien) streiken, ebenso über 1000 Arbeiter_innen in Dux(Duchzov, heute Tschechien).

 Der Streik in Cisleithanien erreicht einen Höhepunkt: In den Alpenländer einschließlich Krakau, Brünn, Mährisch-Ostrau, und Triest streiken nach Behördenschätzungen mindestens 550.00.

Über ganz Wiern verteilt wird in Versammlungen mit zehntausenden Arbeiter_innen protestiert. In Favoriten, weil das Arbeiterheim zu klein ist, und in Stadlau, weil es keine Lokalität gibt, versammeln sich die Streikenden im Freien.

In der Steiermark wird weiter gestreikt, auch am Erzberg wird die Arbeit eingestellt.

 Der Wiener Arbeiterrat diskutiert bis Sonntag früh über eine Resolution zur Wiederaufnahme der Arbeit, weil die Regierung auf die Forderungen eingegangen sei (ein vage Zusage von Aussenminister Ottokar Czernin). Die große Mehrheit (309 gegen 2 Stimmen) stimmt für die Resolution.

 Szabadka (heute Subotica, Jugoslawien): 400 Soldaten einer Marschformation (sie sollen an die Front verlegt werden) nutzen einen Tumult, um zu fliehen. Sie werden zum Großteil wieder festgenommen, aber ein neuerlicher Tumult erlaubt einige Dutzend Desertionen. Auch während der Fahrt werden Seitenwände des Zuges aufgebrochen, weitere Infanteristen fliehen.

 Krieg /Politik:

Die Bolschewiki lösen in Russland die von den Sozialrevolutionären und den Menschewiki dominierte konstituierende Versammlung auf.

 Die deutschen Verhandler in Brest-Litowsk fordern in ultimativer Form (Ende des Waffenstillstandes) den Verzicht auf Polen, Litauen und die Hälfte Lettlands durch Russland. Trotzki kehrt bis Ende Jänner nach St. Petersburg zurück.

 

 

Freitag, 18. Jänner 1918:

Krakau: Die Demonstrationen und Streiks gehen weiter.

Budapest: Die ungarische Sozialdemokratie beginnt einen Generalstreik. Er beginnt in Budapest und breitet sich in den nächsten Tagen auf das ganze Land aus.

Oberösterreich: In Linz stellensämtliche Industriebetriebe die Arbeit ein, die Waffenfabrik in Steyr streikt

Niederösterreich: Blumau (Munitionsfabrik) streikt, ebenso die Werft der DDSG in Korneuburg.

Die Streiks in der in Steiermarkbreiten sich aus: Neben Graz und Bruck auch Kapfenberg, streiken die Arbeiter_innen in Donawitz, Eisenerz, Gratwein, Rottenmann, Neuberg, Knittelfeld, Mürzzuschlag, Kalsdorf und Großveitsch.

 Vereinzelte Streiks in Tirol.

 Wien: 110.000 sind bereits im Streik.

 Auch die Setzer und Drucker in Wien stellen die Arbeit ein, es erscheinen keine Abendzeitungen mehr. Von der Redaktion der „Arbeiterzeitung“ werdenan den nächsten beiden Tagen (Samstag und Sonntag, 19. Jänner und 20. Jänner) die „Mitteilungen an die Arbeiter“ als Ersatz für die AZ herausgegeben.

 Demonstrierende liefern sich vor dem Gebäude der „Reichspost“ (christlisch-soziale und antisemitische Zeitung) Auseinandersetzungen mit der Polizei.

 Treibstoffdepots werden blockiert.

 Frauen überfallen einen Brotwagen im 20. Bezirk.

 Parteifunktionär_innen beschwören (über die Arbeiterzeitung) die Eisenbahner_innen, nicht zu streiken: „Niemand ist berechtigt, diese Arbeit, die im Interesse der gesamten Arbeiterschaft notwendig ist, als Streikbruch anzusehen!“

 Die tschechische Sozialdemokratie beschließt für nächste Wochet (Dienstag, 22. Jänner) einen Sympathiestreik, falls die Streiks in Deutsch-Österreich noch andauern.

 

Donnerstag 17. Jänner 1918:

In Krakau bleiben aufgrund der vortägigen Auseinandersetzungen die meisten Läden gschlossen. In den Kundgebungen sind Forderungen nach Frieden und nationaler Selbstbestimmung der Pol_innen zu hören. In den Straßen taucht Kavallerie auf.

 Prag: Frauendemonstration vor der Statthalterei, um gegen die schlechte Lebensmittelversorgung zu protestieren.

 Arbeiterzeitung (morgens):

Im Interesse der gesamten Bevölkerung ersuchen wir die Arbeiter aller Lebensmittelindustrien, die Bergarbeiter, die Arbeiter der Eisenbahnen, der Straßenbahnen und der anderen Transportgewerbe, der Gas- und Elektrizitätswerke dringend, nicht die Arbeit einzustellen. Solche Ausstände würden die Notlage der gesamten Arbeiterschaft überaus verschärfen und müssen unterbleiben.“ Auch wurden die Arbeiter und Arbeiterinnen dringend gebeten, „Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und alle Zusammenstöße auf der Straße zu vermeiden. Ihr demonstriert durch den Streik – die Wirksamkeit dieses Demonstrationsmittels könnte durch Straßenexzesse nicht gesteigert, sondern gefährdet werden.“

 Nach einem Aufruf der Arbeiterzeitung tretendie Vertrauensleute der Sozialdemokratie („Vertrauensmänner der streikenden Arbeiter“)in den Wiener Bezirkslokalenum 9 Uhr morgens zusammen, meist Funktionär_innen aus den Betrieben, ergänzt durchoffizielle Vertreter_innen der Sozialdemokratie. Vier Forderungen werden beschlossen: ) Der Frieden von Brest-Litowsk darf nicht an irgendwelchen territorialen Forderungen scheitern. )Reorganisation des Verpflegungsdienstes. ) gleiches und direktes Wahlrecht auf Gemeindeebene. ) Entmilitarisierung der Betriebe.

 Am Nachmittag veranstalten diese gewählten Komittees Massenversammlungen in ganz Wien, um dort für die Zustimmung des 4-Punkte-Programms zu werben. Polizei tritt kaum mehr auf. Nicht überall lassen sich die Arbeiter_innen auf diese Forderungen beschränken, sondern fordern den 8-Stundem-Tag die Teilnahme einer Vertretung der Arbeiter_innen in Brest-Litowsk oder die Enthaftung Friedrich Adlers.

 Wien: Bereits 100.000 in Streik. Demonstrationszüge von Betrieb zu Betrieb, meist gelingt es, die Arbeiter_innen zum Streik aufzufordern, manchmal verhindert das das Wachpersonal.

 Neuerliche Versuche in Favoriten, die Straßenbahnen zu blockieren, werden durch die Sicherheitswache verhindert. Ungefähr tausend Streikende „beiderlei Geschlechts“ überfallen einen Brotwagen der „Austria“-Großbäckerei im 10. Bezirk. Das Lebensmittelmagazin der Munitionsfabrik Adler in Oberlaa wird geplündert.

 Graz: Ungefähr 20.000 Arbeiter_innen, hauptsächlich aus der Metallindustrie streiken, es kommt zu keinen Auseinandersetzungen. Auch in Bruck an der Mur beginnt der Streik für bessere Verpflegung.

 Die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Victor Adler, Wilhelm Ellenbogen, Karl Renner und Karl Seitz verhandeln mit Mitgliedern der Regierung. Im Zentrum stehen die vier Forderungen.

 Kaiser Karl sendet ein Telegramm an den in Brest-Litowsk verhandelnden Außenminister Ottokar Czernin: „Für Kurland und Livland und polnische Träumereien können wir hier nicht die Situation umwerfen. Kommt der Friede in Brest nicht zustande, so ist hier die Revolution, wenn auch noch so viel zu essen ist. Dies ist eine ernste Warnung in ernster Zeit.“

 

Mittwoch, 16. Jänner 1918:

In Krakau demonstriert die Bevölkerung vor dem erzbischöflichen Palais, Lebensmittelgeschäfte werden überfallen.

Die Arbeiterzeitung veröffentlicht einen Aufruf der Parteiführung der deutschsprachigen sozialdemokratischen Abgeordneten:
„Für die schleunige Beendigung des Krieges! Für einen Frieden ohne offenen und ohne verhüllte Eroberungen! Für den Frieden auf Grundlage des unverfälschten Selbstbestimmungsrechtes der Völker!“ (der Streik wird nicht erwähnt, sondern nur, dass „die Verpflegungsschwierigkeiten der letzten Zeit in weiten Kreisen der Arbeiterschaft Beunruhigung hervorgerufen hat.“).

Spätestens nach diesem Artikel werden die Forderungen, die die Versorgung betreffen (gegen die Herabsetzung der Mehlquote), durch die Forderungen nach Frieden ergänzt. Häufig wirdmehr verlangt: Lohnerhöhungen, die Entmilitarisierung der Betriebe, die Freilassung Friedrich Adlers (Sohn des Parteivorsitzenden Victor Adler, der wegen seines Attentats auf den österreichischen Ministerpräsidenten Karl Stürgk im Oktober 1916 in Haft saß), das allgemeine Wahlrecht auch für Frauen ...

Wien: Die 2000 Arbeiter_innen der Fiat-Werke in Floridsdorf und die 15.000 (mehrheitlich Frauen) des Arsenal (Waffendepot und Waffenfabrik) treten in den Streik. Demonstrationszüge von Fabrik zu Fabrik beziehen immer mehr Betriebe in der ganzen Stadt der Bewegung ein. Am Abend sind nach offiziellen (geheimen Behörden) Angaben bereits 84.300 Arbeiter_innen im Ausstand.

Im 11. Bezirk überfallen Frauen einen Brotwagen der Ankerbrotfabrik.

Immer wieder versuchen „größere Mengen, zumeist Personen jugendlichen Alters und Frauen“ von Favoriten in die Innenstadt vorzudringen, für mehrere Stunden wird die Fahrt der Straßenbahnen verhindert. Eine sozialdemokratische Broschüre, die bereits im Februar 1918 erscheinen durfte (Autor Karl Renner), schreibt darüber, dass schon dort das „Eingreifen anarchistischer Gruppen fühlbar“ zu werden schien.

Auch in Hietzing (heute Penzing) werden Straßenbahnzüge blockiert.

In Niederösterreich (außerhalb Wiens) gehen die Streiks weiter.

Am Abend produzieren die „Revolutionären Sozialisten Wiens“ ihr zweites Flugblatt (das erste war schon vor dem Beginn des Streiks geschrieben worden und bezog sich auf die Friedenskundgebungen):

Das Volk steht auf! … Die russischen Arbeiter und Bauern haben mit den schärfsten Mitteln des Klassenkampfes, mit Massenstreiks, Meuterei und Straßenkampf, nicht nur für die eigene Freiheit gestritten … Vor allem wir österreichischen Proletarier berufen, die Revolution vor der gewalttätigen Hinterlist unserer Regierung zu retten.“ … „Lasst alle Räder stillstehen! Schart Euch zusammen auf Straßen und Plätzen! Wählt Arbeiterräte, so wie in Rußland! – und der Massengewalt der Proletarier wird der Sieg gehören! Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“

 

Dienstag 15. Jänner 1918:

 Trotz der militärischen Besetzung und der Zuweisung von zusätzlichen Nahrungsmittel nimmt nur die Hälfte der streikenden Arbeiter_innen in Triest wieder die Arbeit auf.

 Wegen Brotmangels wendet sich die Bevölkerung Krakaus erfolglos an den Erzbischof Adam Stefan Sapieha.

Die Streikwelle in den deutschsprachigen Gebieten Österreichs erfasst Ternitz, Arbeiter_innen marschieren von dort nach Wimpassing und Neunkirchen, wo sich ein Großteil der Arbeiter_innen anschließt. Auch die Arbeiter_innen in St. Pölten und im Triestingtal beginnen zu streiken.

 Die 15.000 hauptsächlich weiblichen Beschäftigten in den Munitionsfabriken in Wöllersdorf entscheiden sich für den Streik.

Trotz Ankündigungen, zusätzliche Nahrungsmittel nach Wiener Neustadt zu transportieren, beschließt eine Vertrauensmännerversammlung, die Erweiterung der Forderungen über die Mehlquote hinaus.

Den Streik in Wien beginnen die 1200 Arbeiter_innen der Floridsdorfer Lokomotivwerkstätte .

 

Montag, 14. Jänner 1918:

Streik in der Österreichischen Berg- und Hüttenwerksgesellschaft in Máriahuta-Zakárfalva (Ungarn, heute Slowakei).

Im Kohlenrevier von Petrozsény (Siebenbürgen, heute Rumänien) rückt wegen „Arbeitergärung“ eine Assistenzkompanie ein.

Budapest: Jugendliche des Galilei-Rings verteilen vor den Kasernen Flugblätter gegen den Krieg und werden festgenommen.

Wegen Probleme mit der Lieferung wird eine Kürzung der Mehlquote in der österreichischen Reichshälfte (Cisleithanien) angekündet. Dadurch wird eine breite Streikwelle ausgelöst.

In Triest werden die Austria-Werften und die Österreichische Lloyd bestreikt. Eine Demonstration wird von der Militärpolizei zerstreut. Steine gegen das Palace-Hotel und einigen Geschäftshäuser.

In St. Pölten verlangt eine Deputation von Arbeiterinnen Ersatzprodukte für die zu kürzende Mehlration. Sie drohen mit der Demolierung der Mehlläden und Lebensmittelgeschäfte.

Um 7 Uhr 30 legt die Belegschaft der Daimler-Motoren-werke in Wiener Neustadt die Arbeit nieder und die Arbeiter_innen ziehen in die Stadt. Im Laufe des vormittags schließen sich andere Fabriken an (Lokomotivfabrik, Fabrik für Heizungsanlagen, Flugzeugwerk, Munitionswerk), sowie die Arbeiter_innen von Lichtenwörth. Tausende demonstrieren, die Fenster des Rathauses werden mit Steinen beworfen und eingeschlagen.

 

Sonntag, 13. Jänner 1918:

Triest: Einige hundert Menschen demonstrieren „in lärmender Weise“ gegen eine Kürzung der Brotration.

In der Nacht auf den Sonntag findet die Polizei in Wien Flugblätter unter dem Titel „Arbeitendes Volk“. Es richtet sich gegen den Krieg, sowie gegen „Generäle, die Profitmacherei der Bankleute, Fabrikanten und Großgrundbesitzer“. Parolen am Schluss: „Zum Kampf für den sofortigen allgemeinen Frieden! Zum Kampf für politische und soziale Freiheit! Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!“

Die Sozialdemokratie organisiert in Wien fünf große Friedensversammlungen. Überall beteiligen sich mehrheitlich Frauen, die Vertreter_innen der Arbeiter_innenbewegung ernten teilweise stürmische Kritik. Frauen zeigen „ihre Erregung durch laute Zwischenrufe“.

Sozialdemokratische Friedenskundgebungen auch inBudapest.

 

Samstag, 12. Jänner 1918:

Generalstabschef Ober Ost Max Hoffmann hielt, offenbar auf Befehl der Obersten Heeresleitung Deutschlands, laut Czernin (k.u.k. Minister des Äußeren) eine „äußerst scharfe Rede in Brest, in welcher er den Machtstandpunkt der siegreichen deutschen Armee in die Welt schrie und erklärte, eine Räumung der besetzten Gebiete sei für immer ausgeschlossen.“ (Faustschlag-Rede)

 

Freitag, 11. Jänner 1918:

Wien: 2000 Frauen und Jugendliche beteiligen sich an Marktunruhen (wahrscheinlich bei der größten Markthalle in Wien Landstraße.

 

Dienstag, 8. Jänner 1918:

Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson verliest vor beiden Häusern des Kongresses das 14-Punkte-Programm für einen Frieden in Europa. Die Punkte sind vor allem dazu gedacht, den Frieden zwischen Deutschland und Russland zu torpedieren. Ein zentrale Postulat ist die „Selbstbestimmung der Völker“. Für die Friedensinitiativen zu Ende des Krieges und im Zusammenhang des Zerfalles der Monarchie werden die „14 Punkte“ noch eine entscheidende Rolle spielen.

 

Montag, 7. Jänner 1918:

Bei den Verhandlungen zwischen den Mittelmächten und Sowjet-Russland in Brest-Litowsk übernimmt Leo Trotzki von Adolf Abramowitsch Joffe die bolschewistische Verhandlungsführung.

 

Donnerstag, 3. Jänner 1918:

Streik in der Messerfabrik Wlaslovits und Komporday in Stósz (Ungarn, jetzt Slowakei) wird für bessere Verpflegung.

Nach der Verhaftung dreier Arbeiter_innen nach Unruhen wegen Zuckermangels treten die Bergarbeiter_innen am Sobieski Schacht in Bori (Westgalizien, heute Polen) in Streik.