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21.02.2018, 10:12

 

1918: Streiks, Revolten, Aufstände

 

Donnerstag, 21. Februar:

3000 Demonstrant_innen versuchen in Podgórze (Krakau) zwei russische Offiziere zu befreien, die sie für Polen halten.

Dienstag, 19. Februar 1918:

Novy Targ: Weil die Menge versucht, das Militärverpflegungsmagazin zu plündern, macht das Militär von der Waffe Gebrauch. Eine Frau wird erschossen.

Montag, 18. Februar 1918:

Galizien: Generalstreik der polnischen Bevölkerung: In Krakau und den meisten Teilen Galiziens bleiben die riesigen Demonstrationen ruhig und diszipliniert, Kundgebungen gibt es auch in kleineren Orten. Nur selten schreitet das Militär wegen Gewalttätigkeiten ein, in Novy Targ werden Lebensmittelmagazine geplündert.

Durch den Streik bei den Eisenbahnen kann dringender Nachschub der Armee nicht zugeführt werden, müssen operative Truppenverschiebungen unterbrochen werden und die Zufuhr von Kohle und Approvisierungsgütern kommt ins Stocken. Im Generalgouvernement Lublin wird der Generalstreik nur teilweise befolgt.

Sinj (Dalmatien): Nach Protesten gegen die schlechte Versorgung werden 63 Mann der Heumahdtragtierstaffel entwaffnet, drei „Rädelsführer“ festgenommen.

Krieg / Politik

Nachdem am 16. Februar 1918 das Ende des Waffenstillstandes angekündigt wurde, beginnt die deutsche Armee die „Operation Faustschlag“: 50 Divisionen (eine Division sind 10.000 bis 30.000 Mann) greifen das revolutionäre Russland in drei Richtungen an: nach Nordosten Richtung Narva, nach Osten Richtung Minsk und nach Südosten in die Ukraine (Kiew). Österreich-Ungarn beteiligt sich (vorerst) nicht.

Samstag, 16. Februar 1918

Gefecht des polnischen Hilfskorps unter Józef Haller mit österreichisch-ungarischen Truppen nördlich von Czernowitz.Das Gefecht fordert auf Österreich-ungarischer Seite 11 Tote und 38 Verwundete. 160 Offiziere und 4700 Mannschaften werden gefangen genommen. 500 Mann schaffen den Durchbruch nach Bessarabien (heute Moldawien).

Krieg / Politik

Die Ukraine ersucht die Mittelmächte, gegen die Bolschewiki einzugreifen. In einem geheim gehaltenen Gesprächen wird die Grenze im Cholmer Gebiet zuungunsten der Ukraine verschoben. (In einem Zusatzvertrag am 4. März 1918 wird das offiziell, die polnische Loyalität kann damit nicht wieder hergestellt werden.)

 

Freitag, 15. Februar 1918

In der Nacht zum 16. Februar meutern zwei Regimenter des polnischen Hilfskorps (5000 bis 6000 Mann) unter Józef Haller, nehmen den Kommandanten gefangen und beginnen nach Bessarabien durchzubrechen, um sich mit dem „polnischem Korps“ zu vereinigen, das in der Ukraine aus polnischen Offizieren und Soldaten aus der russischen Armee besteht.

Das Polnische Hilfskorps wurde aufgestellt, um gegen Russland zu kämpfen. Seit Sommer 1917 unterstehen die ungefähr 7500 Soldaten österreichisch-ungarischer Oberhoheit (eine „polnische Wehrmacht“ unterliegt deutscher Hoheit), auch weil viele Polen Staatsbürger der Monarchie sind.

 

Donnerstag, 14. Februar:

Krieg / Politik
Genera
l v. Sarkotić (Stephan Freiherr Sarkotić von Lovćen): „Die zunehmende Bandenzahl in Montenegro und im herzegowinischen Grenzgebiet […] dass die Banden sogar über Maschinengewehre und Handgranaten verfügen […] und dass wir mit einer weiteren Zunahme der Aufstandsbewegung und deren Ausbreitung auch auf Serbien rechnen müssen“ … verlangen „Vorsorgen in Aussicht zu nehmen, die eine rasche Verstärkung der bedrohten Gebiete ermöglichen.“Das „Bandenwesen“ dieser entstehenden „Grünen Kader“ sind meist Deserteure, die sich in den Wäldern und Dörfern in Bosnien und Kroatien (Slawonien)verstecken.

 

Mittwoch, 13. Februar 1918:

Krakau: Weitere Demonstrationen. Die Polizei greift kaum mehr ein. Aus Waggons werden Gefangene befreit, es wird geplündert. In Lublin wird das Standrecht verhängt. Immer mehr Truppen werden nach Krakau verlegt.

 

Dienstag, 12. Februar 1918:

Konjica (Bosnien): Widersetzlichkeiten einer hauptsächlich kroatisch dominierten Einheit (IR 53) auf dem Marsch führt zu ihrer Entwaffnung und der Verhaftung von „Rädelsführern“.

Weitere Demonstrationen in Krakau („Pöbel“ und „Angehörige des polnischen Hilfskorps“). Symbole der Monarchie werden herunter gerissen. Militär wird gegen die Demonstrant_innen eingesetzt und schießt auf Zvilist_innen, die Steine werfen.

Demonstrationen und Ausschreitungen ebenso in Lublin (Militärgeneralgouvernement), um gegen den Friedensschluss mit der Ukraine zu demonstrieren.

 

Montag, 11. Februar 1918:

Čapljina (Bosnien): Das hauptsächlich ruthenisch (ukrainisch) dominierte SchR 36 (Schützenregiment 36) soll an die albanische Front verlegt werden. Weil sich die Abfahrt verzögert, wird einiges getrunken. Nach einigen hundert Meter Fahrt nehmen die Ruthenen den Offizierswaggon unter Beschuss. Bei einem folgenden Aufenthalt desertierten drei Soldaten in die Wälder.

Tausende Pol_innen demonstrieren in Krakau vor dem deutschen Konsulat, brechen dort ein und demolieren die Einrichtung. Es beteiligen sich dabei auch k.u.k. Offiziere polnischer Nationalität in Uniform.

Begeisterte Kundgebungen von Ruthen_innen (Ukrainer_innen) in vielen Städten Galiziens, um den Friedensschluss mit der Ukraine zu begrüßen. (Lemberg: 12.000, Kolomea: 10.000, Stanislau: 10.000, Drohobyez: 20.000.

Krieg / Politik

Die vier zum Tode verurteilten Matrosen von Cattaro (Franz Rasch, Anton Grabar, Jerko Sisgorić und Mate Berničevič) werden am frühen Morgen hingerichtet.

Victor Adler und Karl Seitz intervenieren bei Kriegsminister Stöger-Steiner (Rudolf Freiherr Stöger-Steiner von Steinstätten) für die Matrosen von Cattaro: Wenn es weitere Hinrichtungen gäbe (was nicht geplant war), würde die Sozialdemokratie, die durch den Artillerieoffizier Julius Braunthal informiert war, die Meuterei an die Öffentlichkeit bringen (sie wurde der Öffentlichkeit erst Anfang Oktober 1918 bekannt).

 

Sonntag, 10. Februar 1918:

Die Einrückung von 477 Bergarbeiter kann den Streik in Witkowitz beenden.

Mostar: Gegen Abend ziehen Angehörige des IR 22 durch die Stadt. Bei den stattfindenden Plünderungen beteiligen sich auch Zivilpersonen. 30 Offiziere im Café „Hercegovina“ müssen ins Innere des Gebäudes flüchten. Militärs gelingt es, die Meuterer ins Lager zurück zu drängen. Auf beiden Seiten wird von der Schusswaffe Gebrauch gemacht (ein toter Leutnant, ein toter Fähnrich, vier tote Meuterer, 58 Verwundete). In der Nacht wird die Stadt von ungarischen Assistenzeinheiten besetzt.

Der Kommandant lässt die nicht an der Meuterei beteiligten Marschkompanien aus Mostar verlegen. Auf dem Weg weigert sich die Mannschaft, weiter zu marschieren. Der Kommandant ist gezwungen den Rückweg anzutreten, Die ganze renitente Mannschaft wird inhaftiert.

Krieg / Politik

Trotzki reist aus Brest-Litowsk ab, seine Position: „Weder Krieg noch Frieden.“

 

Samstag 9. Februar 1918:

Mostar (Bosnien): Zu Mittag verweigern die Soldaten einer Marschkompanie des IR 22 (k.u.k. Infanterieregiment 22, mehrheitlich serbisch und kroatisch)die Menage. Als ein Lebensmittelfuhrwerk vorbei kommt, stürzt die Mannschaft hinaus und beginnt zu plündern. Nach Diskussionen kann die Ordnung wieder hergestellt werden. „Rädelsführer“ werden in Gewahrsam genommen.

Krieg / Politik

Brest-Litowsk: Friedensschluss zwischen den Mittelmächten und der Ukrainischen Volksrepublik. Der Cholmer Kreis (heute Chelm in Polen) wird der Ukraine zugesprochen. Die Ukraine verpflichtet sich neben anderen Waren und Lebensmitteln 1 Mio Tonnen Getreide zu liefern (bis zum Ende des Kriegs werden es nur ca 120.000 Tonnen sein)

Als Antwort auf den Friedensschluss (mit dem Cholmer Kreis für die Ukraine) tritt die unter der Ägide der Mittelmächte installierte Regierung des Regentschaftskönigreiches Polen zurück.

 

Donnerstag, 7. Februar 1918:

Die Ausstandsbewegung im mährisch-schlesischen Kohlenreviere „… wurde zwar durch den herrschenden Lebensmittelmangel ausgelöst, dürfte jedoch nunmehr vorwiegend nationalpolitische Tendenzen verfolgen.“ (Toggenburg an den Kaiser)

Krieg / Politik:

Die Bolschewiki erobern Kiew.

Vier Matrosen von Cattarowerden von einem Standgericht zum Tode verurteilt (Franz Rasch, Anton Grabar, Jerko Sisgorić und Mate Berničevič). Zwei werden freigesprochen, zwei zu Kerker verurteilt, die restlichen, an die 400, dem Kriegsgericht überwiesen.

 

Mittwoch, 6. Februar 1918:

Witkowitz: Zwei Drittel der Eisenarbeiter_innen erscheinen nach einem Aufruf verschiedener Organisationen der Bergarbeiter_innen wieder bei der Arbeit. Damit ist der Streik dort als beendigt zu betrachten. In den Bergwerken wird weiter gestreikt. Erst in den folgenden Tagen können auch dort die Arbeiter_innen in die Schächte gezwungen werden. Noch immer beträgt die Zahl der Streikenden an die 20.000. Auch im mährisch-schlesischen Grenzgebiet zeichnet sich ein Ende der Streiks ab.

Lemberg: Begräbnis des erschossenen polnischen Gymnasiasten unter großer Beteiligung der Bevölkerung, Ankündigung eines Generalstreiks.

 

Dienstag, 5. Februar 1918:

Orlau (heute Orlová, Tschechien, bei Mährisch-Ostrau): Eine Versammlung von 2000 Personen, die trotz Verbotes demonstrieren, wird zerstreut. Im mährisch-schlesischemKohlenrevier dauern die Streiks unvermindert an, derzeit befinden sich 29.000 Bergarbeiter_innen imAusstand. In einigen Fabriken wird die Arbeit erst jetzt niedergelegt.

In Witkowitz kehren die Arbeiter_innen langsam an ihre Arbeitsplätze zurück.

 

Montag, 4. Februar 1918:

Witkowitz: 5000 Arbeiter_innen werden unter militärischem Zwang zur Arbeit geleitet.

 

Sebenica (Šibenik): Die Besatzung des Fort Nikolo meutert wegen mangelhafter Verpflegung, wird aber nach kurzer Zeit überwältigt.

 

Krieg / Politik:

Aufgrund von Gerüchten über weitere Meutereien in der Kriegsmarine und über bevorstehende Streikaktionen und Demonstrationen in den Rüstungsindistrien wird eine beschleunigte Mehlzufuhr nach Dalmatien bewilligt.

Im mährisch-schlesischen Kohlenreviere (alleruntertänigste Vorträge vom …) hat sich die Lage seit gestern etwas gebessert. Heute früh waren von der Ausstandsbewegung 33 Schächte, davon 5 nur zum Teile betroffen; auf 15 Schächten wird normal gearbeitet.“ Bericht von Innenminister Friedrich von Toggenburg an den Kaiser.

Vierzehn Bataillone werden in Ungarn für die Getreiderequisitionen zur Verfügung gestellt.

Sonntag, 3. Februar 1918:

Deutschland: Die Unterdrückung aller Demonstrationen, sowie Verhaftungen und Verschickungen an die Front erwirken das Abbrechender Januarstreiks.

Cattaro: Am Vormittag kontrollieren die Aufständischen nur noch neun Kriegsschiffe. Inzwischen sind Kriegsschiffe der 3. Division der Kriegsmarine zur Unterdrückung der Meuterei eingetroffen. Eine Abstimmung auf den Schiffen geht schließlich für eine Beendigung der Revolte aus. Lediglich dem Elektromaat Gustav Stonawski und einem Seefähnrich namens Sesan, der sich als einziger Offizier dem Aufstand angeschlossen hat, gelingt mit einem Flugzeug die Flucht nach Italien.

Danach werden die Matrosenräte und die, die zuletzt für die Weiterführung der Revolte gestimmt haben, festgenommen. 800 Matrosen werden als verdächtig ausgeschifft, 40 vor ein Standgericht gestellt.

In Witkowitz sind inzwischen 33.600 Bergarbeiter_innen in über 30 Schächten im Streik wie auch 22.000 Eisenindustriearbeiter_innen. Auch im mährisch-schlesischen Kohlengebiet wird weiter gestreikt.

 

Samstag , 2. Februar 1918:

Cattaro: Der „zentrale Matrosenrat“ versucht Kontakt mit der österreichischen (Victor Adler) und der ungarischen Sozialdemokratie (Michael Károly) aufzunehmen, was durch Sabotage an den Funkgeräten nicht gelingt. Gegen 14 Uhr wird ein Wachschiff der Meuterer, dieSMS Kronprinz Erzherzog Rudolf, beim Verlegen ihres Standortes von einer in Reichweite liegenden Küstenbatterie beschossen: zwei tote und einige verletzte Matrosen. Die Offiziere können sich inzwischen auf den Schiffen frei bewegen und diskutieren mit den Mannschaften. Am Nachmittag beginnt die Absetzbewegung einiger Schiffe.

Ende der Streiks in Triest.

Keine Ende der Bergbaustreiks im mährisch-schlesischen Kohlengebiet. „Die Bemühungen der Arbeiterführer, die Arbeiterschaft zur Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen, sind bisher ohne Erfolg geblieben.“ Auch in Witkowitz gehen die Ausstände weiter. Angeblich seien keine Brotkarten ausgegeben worden.

Lemberg (Lwiw, heute Ukraine): Aus Protest gegen eine gemäßigte polnische Partei (Partei der nationalen Arbeit) entwickeln sich Demonstrationen gegen ein österreich-orientiertes Polen (Dualismus, Kaiser Karl soll König von Polen werden) und gegen den preußischen Imperialismus. Fensterscheiben und Auslagen werden zertrümmert, reichsdeutsche Symbole angegriffen. Schüsse der Exekutive, ein toter Gymnasiast, 11 Verletzte.

Streik der Werkstättenarbeiter_innen der Staatsbahnen in Lemberg wegen „Lohndifferenzen“.

 

Freitag,1. Februar 1918:

Im Bergbaugebiet in Mährisch-Ostrauund Schlesiendehnt sich der Streik weiter aus, jetzt auch nachWitkowitz (Vítkovice, Schlesien, heute Polen).

Cattaro (Kotor, heute Montenegro): Die Matrosen der SMS (Seiner Majestät Schiff) St. Georg (Flaggschiff der österreichisch-ungarischen Kreuzerflotte)sperren die Offiziere in ihre Kajüten (sie müssen dort das gleiche essen wie die Matrosen), geben einen Schuss ab und hissen eine rote und eine weiße Fahne. Die übrigen 40 Kriegsschiffe in der Bucht von Cattaro mit 6000 Mann Besatzung schließen sich an und ziehen ebenso rote und weiße Fahnen auf. Die deutschen U-Boote beteiligen sich nicht.Matrosenräte führen den Betrieb auf den Schiffen weiter. Die Forderungen sind Frieden, mehr Urlaub, mehr Gerechtigkeit in der Versorgung (Offiziere bekommen ein besseres Essen). Auch Zivilarbeiter_innen beteiligen sich mit eigenen Forderungen an der Revolte.

Donnerstag, 31. Jänner 1918:

In Deutschland hat sich der Januarstreik von Berlin auf Hamburg, München, andere Großstädte und das Ruhrgebiet ausgedehnt. In Berlin, wo täglich Demonstrationen stattfinden, wird der Belagerungszustand verhängt. Bei den Demonstrationen gibt es jetzt Tote und Verletzte.

Die Streiks in Triest dauern an.

Mährisch Ostrau und Schlesien: Inzwischen sind 21 Schächte im Streik.

 

Mittwoch, 30. Jänner 1918:

Mährisch-Ostrau (Ostrava, heute Tschechien): Neuerlich beginnen Streiks wegen der „ungünstigen Verpflegsverhältnisse“ in den Bergwerksgebieten von Mähren und dem angrenzenden Schlesien (13 Schächte, drei weitere zum Teil im Ausstand).

Triest: Derzeit befinden sich 15.000 Arbeiter_innen im Streik, an den Demonstrationen beteiligen sich mehrheitlich „Frauen und Kinder“.

 Krieg / Politik

 Brest-Litowsk: Trotzki kehrt an den Verhandlungstisch zurück, verweigert aber Gespräche, bei denen die Ukraine anwesend ist.

 

Dienstag, 29. Jänner 1918:

Steiermark: Streiks im Braunkohlenbergbau in Piberstein und im Rosental.

Dem Generalstreik in Triest schließen sich auch die Straßenbahner_innen und einige kleine Betriebe an, inzwischen sind 4000 im Ausstand.

Pilsen: Die Werkstättenarbeiter_innen der Staatsbahnen in Pilsen haben die Arbeit wieder aufgenommen, üben jedoch passive Resistenz. „Weiber und Pöbel“ demolieren Geschäfte und zerschlagen Hotel-Spiegelscheiben. Die Menge kann durch das Militär in Seitengassen abgedrängt werden.

 

Montag, 28. Jänner 1918:

In Berlin beginnen die Januarstreiks, die sich in Kürze auf große Teile des Deutschen Reichs ausbreiten.

In Triest streiken 3500 Arbeiter_innen für eine „sofortige Besserung der Approvisierungsverhältnisse“ und einen baldigen Friedensschluss.

Böhmen: Streiks gegen den Mehlmangel in Pilsen (2300 Werkstättenarbeiter_innen) und in Laun / Louny (1600)

In Pola kehren die Arbeiter_innen auf ihre Arbeitsplätze zurück. Festungskommissär: „… es sich um eine ausgesprochen revolutionäre Bewegung gehandelt hat, die nur dank dem ganz besonders einsichtsvollen Entgegenkommen der Marineverwaltung und dem sehr geschickten Eingreifen des Abgeordneten Domes auf das ökonomische Gebiet übergeleitet und so zum Stillstand gebracht wurde ...“Franz Domes war Reichstagsabgeordneter für die deutschsprachige Sozialdemokratie.

 

Sonntag, 27. Jänner 1918:

Steiermark: Die Arbeiter_innen des Bergbaus der Graz-Köflach-Bergbau-Gesellschaft (einige hundert) streiken für Lohnerhöhungen, Nachzahlung der Krankenkosten und die Erhöhung der Mehlration. Streiks auch im Bezirk Leibnitz und der Bergarbeiter_innen in Zangtal und in Oberndorf.

Krieg / Politik

Finnland: Eine Rote Garde besetzt die wichtigsten Gebäude von Helsinki und übernimmt in den nächsten Teile große Teile des Südens Finnlands. Im Norden halten sich die „Weißen“. Der 27. Jänner 1918 gilt als der Beginn des finnischen Bürgerkrieges.

 

Samstag, 26. Jänner 1918:

 Lebensmittelunruhen, bei denen Läden ausgeraubt werden, in Lemberg, heute Lwiw (Ukraine), Tarnów und Bochnia (Galizien, heute Polen).

 

Freitag, 25. Jänner 1918:

Die Unruhen in Wrschowitz (Vršovice) wegen der „ungünstigen Verpflegungsverhältnisse“ setzen sich fort. Die Militärassistenz muss aber nicht mehr eingesetzt werden. Auch in Bilin (Bílina), in Nordböhmen kommt es zu Ausschreitungen.

Die Jännerstreikwelleendet in Böhmen mit der Arbeitsaufnahme im Ostrauer Revier.

Krieg / Politik

Die Ukrainische Volksrepublik erklärt die Unabhängigkeit. Vorher war sie Teil einer Föderation mit Russland.

 

Donnerstag, 24. Jänner 1918:

In Wiener Neustadt und im Industrieviertel wird in den letzten noch streikenden Betrieben Deutsch-Österreichs die Arbeit wieder aufgenommen.

Einige hundert beteilligen sich an Hungerkrawallen in Wrschowitz (Vršovice), einem Stadtteil von Prag. Scheiben werden eingeschlagen, ein Schuhgeschäft geplündert.

Die Exekutive verhindert Demonstrationen in Pola. Der Streik geht weiter. Gerüchte über die Unterstützung durch Matrosen der im Hafen ankernden Kriegsschiffe.

Jaslo (Galizien, heute Polen): Lebensmittelkrawalle, eine Assistenzkompanie wird zugezogen.

Krieg / Politik

Deutschland und Österreich-Ungarn lehnen die 14 Punkte Wilsons ab.

 

Mittwoch, 23. Jänner 1918:

 Der Streik in Pola geht weiter. Neuerlich Demonstrationen und Auseinandersetzungen. Der Reichsratabgeordnete Domes aus Wien verhandelt mit dem Hafenadmiral und dem Kriegshafenkommandanten.

 Die Arsenalarbeiter_innen ziehen geschlossen und unter dem Singen des „Lieds der Arbeit“ wieder ein. Fast überall in Wien wird wieder gearbeitet.

 

Dienstag, 22. Jänner 1918:

In Ungarn wird die Arbeit fast überall aufgenommen.

In Wien streiken noch immer 56.000. Weiter Züge zu den Fabriken, die nicht mehr streiken. Im 10. Bezirk wird die Firma Vetter von Streikenden mit Steinen beworfen (22 Fenster demoliert). Sozialdemokratische Funktionär_innen können im 16. Bezirk durch Zureden einen Zug zum Parlament verhindern.

Streikende verhindern im Arsenal die Wiederaufnahme der Arbeit (eine „radikale Gruppe“), worauf alle wieder zum Arbeiterheim ziehen. Vor dem Arbeiterheim Favoriten sammeln sich so viele Streikende, dass der Straßenbahnverkehr eingestellt werden muss.

Niederösterreich: Der Streik bröckelt weiter ab. In der Munitionsfabrik Blumau, in der die Arbeit am Vortag aufgenommen worden ist, beginnen die Arbeiter_innen neuerlich zu streiken.

Hohe Beteiligung in den allen tschechischen Gebieten. DerGeneralstreikvollzieht sich unter straffer Führung der Funktionär_innen der sozialistischen Parteien in relativer Ruhe, um keinen Einmarsch reichsdeutscher Truppen zu provozieren. Die Schwerpunkte in Böhmensind Prag und Pilsen. Fast alle tschechischen Läden haben geschlossen. Forderungen sind die gleichen wie in Wien, ergänzt durch das Selbstbestimmungsrecht der Tschech_innen. In Prag demonstrieren Zehntausende.

Mährisch-Ostrau(Ostrava): In 16 Kohlenschächten, im Heizhaus und im Eisenwerk Witkowitz ist die Arbeit völlig eingestellt.

Seefestung Pola (heute Pula, Kroatien): 10.000 Arsenalarbeiter_innen gehen in den Streik: Forderungen: Rückkehr der Familien, Lohnerhöhungen, Besserstellung der (militarisierten) Landsturmarbeiter_innen. Bei Versammlungen kommt es zur Verbrüderung von Soldaten, Matrosen und Arbeiter_innen. Bei Demonstrationen kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Militärpolizei.

 

Montag, 21. Jänner 1918:

 Uberall in Ungarn wird demonstriert: „unter der oft nach einigen Tausenden zählenden Menge zum größten Teil Weiber und Mädchen und viele halbwüchsige Jungen das Hauptkontingent“.

 Aufruf der Sozialdemokratischen Partei Ungarns zur Einstellung der Streiks.

 Der Parteivorstand der Sozialdemokratie im Namen des Wiener Arbeiterrates: „fordert die Arbeiterschaft ganz Österreichs auf, die Arbeit wieder aufzunehmen.“ (AZ 21. Jänner 1918)

 Beginn der Verhaftungswelle gegen (greifbare) radikale Agitator_innen.

 Wien: Die Streiks werden teilweise eingestellt, teilweise weiter geführt. Immer wieder sollen es Frauen sein, die die Wiederaufnahme der Arbeit zu verhindern versuchen. Neuerlich versucht ein Demonstrationszug aus dem 10. Bezirk in die Innenstadt vorzudringen, wird aber von der Polizei zersprengt. Ein Zug von 400 Arbeiter_innen, der zufällig dort vorbei kommt, plündert das Magazin der Zuckerfabrik Viktor Schmidt und Söhne (10., Geiselbergstraße). Im 3. und 10. Bezirk ist der Widerstand am größten, aber überall widersetzen sich Arbeiter_innen einzelner Firmen. (60% hätten nach offiziellen Angaben die Arbeit wieder aufgenommen).

 Versammlungen im 3., 16., 18., und 20. Bezirksind überfüllt, teilweise haben nicht genug Menschen in den Sälen Platz und müssen auf der Straße bleiben, Fensterscheiben werden eingeschlagen. Überall heftige Diskussionen zwischen Vertrauensleuten und „radikalen Elementen“. Vereinzelt wird beschlossen, am nächsten Tag (Dienstag, 22. Jänner) zum Rathaus und zum Parlament zu ziehen.

 In Niederösterreich (ohne Wien) wird die Arbeit teilweise aufgenommen. Vereinzelt beginnen sogar Streiks wie in Waidhofen. Wiener Neustadt bleibt im Streik.

 Im LandSalzburg wird teilweise die Arbeit niedergelegt, teils ein Streik beschlossen (ca. 10.000 Arbeiter_innen).

 In Kladno (Tschechien) schließen sich die meisten Fabriken dem Streik an (insgesamt 27.000).

 In einer Reihe böhmischer Industriestädte setzen die Streiks erst ein (Jungbunzlau(Mladá Boleslav), Reichenberg (Liberec), Landskron(Lanškroun), Königinhof (Dvůr Králové), Schlan (Slaný) Taus (Domažlice).

 In Prerau (Mähren, Přerov heute Tschechien) wird für „Brot und Frieden“ demonstriert.

 

Sonntag, 20. Jänner 1918:

Die sozialdemokratischen Funktionär_innen gehen in die Bezirke, um für die Arbeitsaufnahme für Montag zu werben. Sie versuchen, die vagen Zusagen als Sieg zu verkaufen. In Wien gelingt das in einigen Bezirken unter heftigem Widerspruch, in anderen können sie sich nicht durchsetzen. („Verräter“, „Räuber“, „k.uk. Vertrauensmänner“). Die Arsenalarbeiter_innen (hauptsächlich Frauen*) ziehen durch den zehnten Bezirk und werden von der Polizei zerstreut. Häufiges Argument der „Radikalen“ ist, dass sie die später streikenden ungarischen Arbeiter_innen verraten würden (über die anderen Streiks außerhalb von Wien sind die Arbeiter_innen kaum informiert).

In Wiener Neustadt wird Karl Renner kurzfristig von den Arbeiter_innen gefangengesetzt.

Graz: 15.000 bis 20.000 demonstrieren, um die Forderungen der Streiks zu unterstützen.

Salzburg: Anlässlich einer Friedenskundgebung erklärt sich „die Arbeiterschaft“ solidarisch mit den streikenden Arbeiter_innen, will aber eine vorerst zuwartende Haltung einnehmen.

Budapest: Massenversammlungen zu Frieden und sozialen Forderungen.

Aber auch die ungarische Sozialdemokratie verhandelt mit der Regierung.

Krakau kommt nicht zur Ruhe.

Im Kohlenrevier Suchau-Karwin(Sucha-Karviná, Schlesien, Industriegebiet, heute zwischen Polen und Tschechien aufgeteilt) bricht ein partieller Streik aus.

 

Samstag, 19. Jänner 1918:

 Aufruf der Sozialdemokratischen Partei Ungarns: „Wir fordern Frieden , Recht und Brot. Die Regierung muss Garantien abgeben, dass sie dem Elend des Krieges, der Lebensmittelknappheit, und der Teurung ein Ende bereiten will. Der Massenstreik hunderttausender Proletarier will von den Mächtigen Zugeständnisse erzwingen ...“

 In Ungarn sind nach offiziellen Schätzungen 200.000 Arbeiter_innen im Streik, auch in den Heizhäusern und Werkstätten der Eisenbahnen wird gestreikt, die Bahnlinie Kassa-Oderberg (Košice / heute Slowakei, Bohumin /heute Tschechien) blockiert. In Budapest demonstrieren Hunderttausende.

 In den „Mitteilungen an die Arbeiter“ erscheint ein Bericht über die Streiks in Ungarn („Die ungarischen Arbeiter schließen sich an“), der durch die Zensur gerutscht ist.

 Krakau: In Krakau wird neuerlich demonstriert.

 Teilweise Streiks im Brünner Industriebezirk.

 Streiks in den Industriegebieten umMährisch-Ostrau (Ostrava, heute Tschechien)

 7000 Arbeiter_innen in der Poldi-Hütte in Kladno (heute Tschechien) streiken, ebenso über 1000 Arbeiter_innen in Dux(Duchzov, heute Tschechien).

 Der Streik in Cisleithanien erreicht einen Höhepunkt: In den Alpenländer einschließlich Krakau, Brünn, Mährisch-Ostrau, und Triest streiken nach Behördenschätzungen mindestens 550.00.

Über ganz Wiern verteilt wird in Versammlungen mit zehntausenden Arbeiter_innen protestiert. In Favoriten, weil das Arbeiterheim zu klein ist, und in Stadlau, weil es keine Lokalität gibt, versammeln sich die Streikenden im Freien.

In der Steiermark wird weiter gestreikt, auch am Erzberg wird die Arbeit eingestellt.

 Der Wiener Arbeiterrat diskutiert bis Sonntag früh über eine Resolution zur Wiederaufnahme der Arbeit, weil die Regierung auf die Forderungen eingegangen sei (ein vage Zusage von Aussenminister Ottokar Czernin). Die große Mehrheit (309 gegen 2 Stimmen) stimmt für die Resolution.

 Szabadka (heute Subotica, Jugoslawien): 400 Soldaten einer Marschformation (sie sollen an die Front verlegt werden) nutzen einen Tumult, um zu fliehen. Sie werden zum Großteil wieder festgenommen, aber ein neuerlicher Tumult erlaubt einige Dutzend Desertionen. Auch während der Fahrt werden Seitenwände des Zuges aufgebrochen, weitere Infanteristen fliehen.

 Krieg /Politik:

Die Bolschewiki lösen in Russland die von den Sozialrevolutionären und den Menschewiki dominierte konstituierende Versammlung auf.

 Die deutschen Verhandler in Brest-Litowsk fordern in ultimativer Form (Ende des Waffenstillstandes) den Verzicht auf Polen, Litauen und die Hälfte Lettlands durch Russland. Trotzki kehrt bis Ende Jänner nach St. Petersburg zurück.

 

 

Freitag, 18. Jänner 1918:

Krakau: Die Demonstrationen und Streiks gehen weiter.

Budapest: Die ungarische Sozialdemokratie beginnt einen Generalstreik. Er beginnt in Budapest und breitet sich in den nächsten Tagen auf das ganze Land aus.

Oberösterreich: In Linz stellensämtliche Industriebetriebe die Arbeit ein, die Waffenfabrik in Steyr streikt

Niederösterreich: Blumau (Munitionsfabrik) streikt, ebenso die Werft der DDSG in Korneuburg.

Die Streiks in der in Steiermarkbreiten sich aus: Neben Graz und Bruck auch Kapfenberg, streiken die Arbeiter_innen in Donawitz, Eisenerz, Gratwein, Rottenmann, Neuberg, Knittelfeld, Mürzzuschlag, Kalsdorf und Großveitsch.

 Vereinzelte Streiks in Tirol.

 Wien: 110.000 sind bereits im Streik.

 Auch die Setzer und Drucker in Wien stellen die Arbeit ein, es erscheinen keine Abendzeitungen mehr. Von der Redaktion der „Arbeiterzeitung“ werdenan den nächsten beiden Tagen (Samstag und Sonntag, 19. Jänner und 20. Jänner) die „Mitteilungen an die Arbeiter“ als Ersatz für die AZ herausgegeben.

 Demonstrierende liefern sich vor dem Gebäude der „Reichspost“ (christlisch-soziale und antisemitische Zeitung) Auseinandersetzungen mit der Polizei.

 Treibstoffdepots werden blockiert.

 Frauen überfallen einen Brotwagen im 20. Bezirk.

 Parteifunktionär_innen beschwören (über die Arbeiterzeitung) die Eisenbahner_innen, nicht zu streiken: „Niemand ist berechtigt, diese Arbeit, die im Interesse der gesamten Arbeiterschaft notwendig ist, als Streikbruch anzusehen!“

 Die tschechische Sozialdemokratie beschließt für nächste Wochet (Dienstag, 22. Jänner) einen Sympathiestreik, falls die Streiks in Deutsch-Österreich noch andauern.

 

Donnerstag 17. Jänner 1918:

In Krakau bleiben aufgrund der vortägigen Auseinandersetzungen die meisten Läden gschlossen. In den Kundgebungen sind Forderungen nach Frieden und nationaler Selbstbestimmung der Pol_innen zu hören. In den Straßen taucht Kavallerie auf.

 Prag: Frauendemonstration vor der Statthalterei, um gegen die schlechte Lebensmittelversorgung zu protestieren.

 Arbeiterzeitung (morgens):

Im Interesse der gesamten Bevölkerung ersuchen wir die Arbeiter aller Lebensmittelindustrien, die Bergarbeiter, die Arbeiter der Eisenbahnen, der Straßenbahnen und der anderen Transportgewerbe, der Gas- und Elektrizitätswerke dringend, nicht die Arbeit einzustellen. Solche Ausstände würden die Notlage der gesamten Arbeiterschaft überaus verschärfen und müssen unterbleiben.“ Auch wurden die Arbeiter und Arbeiterinnen dringend gebeten, „Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und alle Zusammenstöße auf der Straße zu vermeiden. Ihr demonstriert durch den Streik – die Wirksamkeit dieses Demonstrationsmittels könnte durch Straßenexzesse nicht gesteigert, sondern gefährdet werden.“

 Nach einem Aufruf der Arbeiterzeitung tretendie Vertrauensleute der Sozialdemokratie („Vertrauensmänner der streikenden Arbeiter“)in den Wiener Bezirkslokalenum 9 Uhr morgens zusammen, meist Funktionär_innen aus den Betrieben, ergänzt durchoffizielle Vertreter_innen der Sozialdemokratie. Vier Forderungen werden beschlossen: ) Der Frieden von Brest-Litowsk darf nicht an irgendwelchen territorialen Forderungen scheitern. )Reorganisation des Verpflegungsdienstes. ) gleiches und direktes Wahlrecht auf Gemeindeebene. ) Entmilitarisierung der Betriebe.

 Am Nachmittag veranstalten diese gewählten Komittees Massenversammlungen in ganz Wien, um dort für die Zustimmung des 4-Punkte-Programms zu werben. Polizei tritt kaum mehr auf. Nicht überall lassen sich die Arbeiter_innen auf diese Forderungen beschränken, sondern fordern den 8-Stundem-Tag die Teilnahme einer Vertretung der Arbeiter_innen in Brest-Litowsk oder die Enthaftung Friedrich Adlers.

 Wien: Bereits 100.000 in Streik. Demonstrationszüge von Betrieb zu Betrieb, meist gelingt es, die Arbeiter_innen zum Streik aufzufordern, manchmal verhindert das das Wachpersonal.

 Neuerliche Versuche in Favoriten, die Straßenbahnen zu blockieren, werden durch die Sicherheitswache verhindert. Ungefähr tausend Streikende „beiderlei Geschlechts“ überfallen einen Brotwagen der „Austria“-Großbäckerei im 10. Bezirk. Das Lebensmittelmagazin der Munitionsfabrik Adler in Oberlaa wird geplündert.

 Graz: Ungefähr 20.000 Arbeiter_innen, hauptsächlich aus der Metallindustrie streiken, es kommt zu keinen Auseinandersetzungen. Auch in Bruck an der Mur beginnt der Streik für bessere Verpflegung.

 Die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Victor Adler, Wilhelm Ellenbogen, Karl Renner und Karl Seitz verhandeln mit Mitgliedern der Regierung. Im Zentrum stehen die vier Forderungen.

 Kaiser Karl sendet ein Telegramm an den in Brest-Litowsk verhandelnden Außenminister Ottokar Czernin: „Für Kurland und Livland und polnische Träumereien können wir hier nicht die Situation umwerfen. Kommt der Friede in Brest nicht zustande, so ist hier die Revolution, wenn auch noch so viel zu essen ist. Dies ist eine ernste Warnung in ernster Zeit.“

 

Mittwoch, 16. Jänner 1918:

In Krakau demonstriert die Bevölkerung vor dem erzbischöflichen Palais, Lebensmittelgeschäfte werden überfallen.

Die Arbeiterzeitung veröffentlicht einen Aufruf der Parteiführung der deutschsprachigen sozialdemokratischen Abgeordneten:
„Für die schleunige Beendigung des Krieges! Für einen Frieden ohne offenen und ohne verhüllte Eroberungen! Für den Frieden auf Grundlage des unverfälschten Selbstbestimmungsrechtes der Völker!“ (der Streik wird nicht erwähnt, sondern nur, dass „die Verpflegungsschwierigkeiten der letzten Zeit in weiten Kreisen der Arbeiterschaft Beunruhigung hervorgerufen hat.“).

Spätestens nach diesem Artikel werden die Forderungen, die die Versorgung betreffen (gegen die Herabsetzung der Mehlquote), durch die Forderungen nach Frieden ergänzt. Häufig wirdmehr verlangt: Lohnerhöhungen, die Entmilitarisierung der Betriebe, die Freilassung Friedrich Adlers (Sohn des Parteivorsitzenden Victor Adler, der wegen seines Attentats auf den österreichischen Ministerpräsidenten Karl Stürgk im Oktober 1916 in Haft saß), das allgemeine Wahlrecht auch für Frauen ...

Wien: Die 2000 Arbeiter_innen der Fiat-Werke in Floridsdorf und die 15.000 (mehrheitlich Frauen) des Arsenal (Waffendepot und Waffenfabrik) treten in den Streik. Demonstrationszüge von Fabrik zu Fabrik beziehen immer mehr Betriebe in der ganzen Stadt der Bewegung ein. Am Abend sind nach offiziellen (geheimen Behörden) Angaben bereits 84.300 Arbeiter_innen im Ausstand.

Im 11. Bezirk überfallen Frauen einen Brotwagen der Ankerbrotfabrik.

Immer wieder versuchen „größere Mengen, zumeist Personen jugendlichen Alters und Frauen“ von Favoriten in die Innenstadt vorzudringen, für mehrere Stunden wird die Fahrt der Straßenbahnen verhindert. Eine sozialdemokratische Broschüre, die bereits im Februar 1918 erscheinen durfte (Autor Karl Renner), schreibt darüber, dass schon dort das „Eingreifen anarchistischer Gruppen fühlbar“ zu werden schien.

Auch in Hietzing (heute Penzing) werden Straßenbahnzüge blockiert.

In Niederösterreich (außerhalb Wiens) gehen die Streiks weiter.

Am Abend produzieren die „Revolutionären Sozialisten Wiens“ ihr zweites Flugblatt (das erste war schon vor dem Beginn des Streiks geschrieben worden und bezog sich auf die Friedenskundgebungen):

Das Volk steht auf! … Die russischen Arbeiter und Bauern haben mit den schärfsten Mitteln des Klassenkampfes, mit Massenstreiks, Meuterei und Straßenkampf, nicht nur für die eigene Freiheit gestritten … Vor allem wir österreichischen Proletarier berufen, die Revolution vor der gewalttätigen Hinterlist unserer Regierung zu retten.“ … „Lasst alle Räder stillstehen! Schart Euch zusammen auf Straßen und Plätzen! Wählt Arbeiterräte, so wie in Rußland! – und der Massengewalt der Proletarier wird der Sieg gehören! Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“

 

Dienstag 15. Jänner 1918:

 Trotz der militärischen Besetzung und der Zuweisung von zusätzlichen Nahrungsmittel nimmt nur die Hälfte der streikenden Arbeiter_innen in Triest wieder die Arbeit auf.

 Wegen Brotmangels wendet sich die Bevölkerung Krakaus erfolglos an den Erzbischof Adam Stefan Sapieha.

Die Streikwelle in den deutschsprachigen Gebieten Österreichs erfasst Ternitz, Arbeiter_innen marschieren von dort nach Wimpassing und Neunkirchen, wo sich ein Großteil der Arbeiter_innen anschließt. Auch die Arbeiter_innen in St. Pölten und im Triestingtal beginnen zu streiken.

 Die 15.000 hauptsächlich weiblichen Beschäftigten in den Munitionsfabriken in Wöllersdorf entscheiden sich für den Streik.

Trotz Ankündigungen, zusätzliche Nahrungsmittel nach Wiener Neustadt zu transportieren, beschließt eine Vertrauensmännerversammlung, die Erweiterung der Forderungen über die Mehlquote hinaus.

Den Streik in Wien beginnen die 1200 Arbeiter_innen der Floridsdorfer Lokomotivwerkstätte .

 

Montag, 14. Jänner 1918:

Streik in der Österreichischen Berg- und Hüttenwerksgesellschaft in Máriahuta-Zakárfalva (Ungarn, heute Slowakei).

Im Kohlenrevier von Petrozsény (Siebenbürgen, heute Rumänien) rückt wegen „Arbeitergärung“ eine Assistenzkompanie ein.

Budapest: Jugendliche des Galilei-Rings verteilen vor den Kasernen Flugblätter gegen den Krieg und werden festgenommen.

Wegen Probleme mit der Lieferung wird eine Kürzung der Mehlquote in der österreichischen Reichshälfte (Cisleithanien) angekündet. Dadurch wird eine breite Streikwelle ausgelöst.

In Triest werden die Austria-Werften und die Österreichische Lloyd bestreikt. Eine Demonstration wird von der Militärpolizei zerstreut. Steine gegen das Palace-Hotel und einigen Geschäftshäuser.

In St. Pölten verlangt eine Deputation von Arbeiterinnen Ersatzprodukte für die zu kürzende Mehlration. Sie drohen mit der Demolierung der Mehlläden und Lebensmittelgeschäfte.

Um 7 Uhr 30 legt die Belegschaft der Daimler-Motoren-werke in Wiener Neustadt die Arbeit nieder und die Arbeiter_innen ziehen in die Stadt. Im Laufe des vormittags schließen sich andere Fabriken an (Lokomotivfabrik, Fabrik für Heizungsanlagen, Flugzeugwerk, Munitionswerk), sowie die Arbeiter_innen von Lichtenwörth. Tausende demonstrieren, die Fenster des Rathauses werden mit Steinen beworfen und eingeschlagen.

 

Sonntag, 13. Jänner 1918:

Triest: Einige hundert Menschen demonstrieren „in lärmender Weise“ gegen eine Kürzung der Brotration.

In der Nacht auf den Sonntag findet die Polizei in Wien Flugblätter unter dem Titel „Arbeitendes Volk“. Es richtet sich gegen den Krieg, sowie gegen „Generäle, die Profitmacherei der Bankleute, Fabrikanten und Großgrundbesitzer“. Parolen am Schluss: „Zum Kampf für den sofortigen allgemeinen Frieden! Zum Kampf für politische und soziale Freiheit! Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!“

Die Sozialdemokratie organisiert in Wien fünf große Friedensversammlungen. Überall beteiligen sich mehrheitlich Frauen, die Vertreter_innen der Arbeiter_innenbewegung ernten teilweise stürmische Kritik. Frauen zeigen „ihre Erregung durch laute Zwischenrufe“.

Sozialdemokratische Friedenskundgebungen auch inBudapest.

 

Samstag, 12. Jänner 1918:

Generalstabschef Ober Ost Max Hoffmann hielt, offenbar auf Befehl der Obersten Heeresleitung Deutschlands, laut Czernin (k.u.k. Minister des Äußeren) eine „äußerst scharfe Rede in Brest, in welcher er den Machtstandpunkt der siegreichen deutschen Armee in die Welt schrie und erklärte, eine Räumung der besetzten Gebiete sei für immer ausgeschlossen.“ (Faustschlag-Rede)

 

Freitag, 11. Jänner 1918:

Wien: 2000 Frauen und Jugendliche beteiligen sich an Marktunruhen (wahrscheinlich bei der größten Markthalle in Wien Landstraße.

 

Dienstag, 8. Jänner 1918:

Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson verliest vor beiden Häusern des Kongresses das 14-Punkte-Programm für einen Frieden in Europa. Die Punkte sind vor allem dazu gedacht, den Frieden zwischen Deutschland und Russland zu torpedieren. Ein zentrale Postulat ist die „Selbstbestimmung der Völker“. Für die Friedensinitiativen zu Ende des Krieges und im Zusammenhang des Zerfalles der Monarchie werden die „14 Punkte“ noch eine entscheidende Rolle spielen.

 

Montag, 7. Jänner 1918:

Bei den Verhandlungen zwischen den Mittelmächten und Sowjet-Russland in Brest-Litowsk übernimmt Leo Trotzki von Adolf Abramowitsch Joffe die bolschewistische Verhandlungsführung.

 

Donnerstag, 3. Jänner 1918:

Streik in der Messerfabrik Wlaslovits und Komporday in Stósz (Ungarn, jetzt Slowakei) wird für bessere Verpflegung.

Nach der Verhaftung dreier Arbeiter_innen nach Unruhen wegen Zuckermangels treten die Bergarbeiter_innen am Sobieski Schacht in Bori (Westgalizien, heute Polen) in Streik.

© Robert Foltin. Foto im Seitenkopf: Katharina Struber

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Termine

 

17. Jänner 2018, 19 Uhr:

Als die Revolution in Österreich ankam! Jännerstreik 1918!

das que[e]r, Wipplingerstraße 23 (im Stiegenabgang), 1010 Wien.
 

26. Jänner 2018, 18Uhr:

Autonomous Theories in the Last Years.

Foajé, Štefánikova 16, 81101 Bratislava.